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Der gestrige Tag war ein Reisetag.

Schon früh stand ich auf, viel früh, wie sich herausstellen sollte. Um sieben erwacht, begann ich sofort, alles Mögliche zu packen, was ich packen konnte, nur um zehn Minuten später festzustellen, dass alles erledigt war, was ich hatte erledigen können. Das Zelt wollte ich noch nicht abbauen, zumindest abwarten, bis der Morgentau einigermaßen getrocknet war. So las ich noch ein wenig, bis ich um 8 Uhr mein bestelltes Baguette abholen konnte.
Ich hatte alles ziemlich durchgeplant, wenn ich mir das so überlege, empfinde ich das im Augenblick als übertrieben. Der Bus zum Bahnhof ging um exakt Viertel nach zehn, ich aber war um neun nun wirklich mit allem fertig, trödelte aber, so dass ich den um Viertel nach neun verpasste. So saß ich also eine Dreiviertelstunde auf der Bank an der Bushaltestelle, ein recht kalter Wind blies und es war nicht gerade angenehm. Natürlich hatte der Bus Verspätung, aber das war alles nicht besonders tragisch, denn um halb elf befand ich mich am Bahnhof, hatte immer noch eine Stunde, die ich irgendwie verbringen musste.
Natürlich muss man als Reisender, der öffentliche Verkehrsmittel nutzt, ein wenig planen. Aber heute hatte ich es verplant, denn trotz der Planung befand ich mich trotzdem im totalen Stress, für den ich ausnahmslos selbst verantwortlich bin.
Im Bahnhof fiel mein Blick auf eine hübsche Französin, die sich um elf in die Schlange stellte, um ein Ticket zu kaufen. Sie sah völlig entspannt aus. Am Ende stellte sich heraus, dass sie in den gleichen Zug stieg wie ich. So hätte ich es also auch machen können. Einfach losgehen, irgendeinen Bus nehmen, am Bahnhof ankommen, Ticket kaufen und abfahren. Aber nein, ich musste natürlich alles genau wissen. Wenn schon Kontrolle, dann richtig. Die nächste Etappe plane ich nicht, so viel steht fest.
Übrigens, die Französin und ich verloren uns erst in Toulouse aus den Augen. Die gegenseitige Attraktion war nicht zu übersehen. Ich hoffe, dass ihr dieser kleine und harmlose Flirt ebenso viel Spaß gemacht hat wie mir.

Auch die Fahrt zum Campingplatz hatte ich natürlich bereits vor Wochen „geregelt“ und wusste genau, wie ich dorthin kommen würde. Das Metrosystem ist einfach und doch raffiniert. In den Bahnen selbst gibt es keine Fahrer, sie gleiten führerlos durch die Tunnel, was man durch große Scheiben beobachten kann.
Leider musste ich an der Station La Vache eine halbe Stunde auf den Bus warten. Es war nicht so wichtig, denn irgendwie war der Tag ohnehin angebrochen, nicht mehr ganz neu, aber auch noch nicht zu Ende. Als der Bus endlich abfuhr, führte er uns durch eine seelenlose und ausgesprochen feindlich wirkende „Handelsgegend“, an großen Geschäfte aus Stahl vorbei. Es wirkte nicht gerade vertrauenserweckend.
Um halb zwei stand ich vor den verbarrikadierten Toren des Platzes. Offensichtlich handelt es sich nicht um die sicherste Gegend. Zumindest wurde ich freundlich begrüßt.
Ich stellte das Zelt auf und war kurze Zeit später fertig. Doch so recht wusste ich nichts mit mir anzufangen. Auf Toulouse selbst hatte ich noch keine Lust, das wollte ich erst am nächsten Tag besichtigen. Also lief ich los, um zu einem, wie ich dachte, nahegelegenen Einkaufszentrum zu gelangen. Meine Vorräte waren schließlich nicht existent.
Der Marsch war ein Fehler, das weiß ich jetzt auch. Denn ich lief praktisch auf einer viel befahrenen Straße entlang, immer aufpassend, dass mich nicht einer der donnernden LKWs streifte. Sicher drei Kilometer und 45 Minuten verbrachte ich damit, mich zu fragen, wie man seinen Urlaub dämlicher verbringen kann. Am Ende stand ein zehnminütiger Einkauf und ein Rückweg, der nicht besser war als der Hinweg.
So also verbrachte ich diesen Reisetag, den ich zwar nicht abschreiben, aber zumindest in die Kategorie „Lernen“ ablegen kann.

Immerhin konnte ich am Abend noch ein bisschen Sonne genießen. Es ist ein viel zu seltenes Vergnügen auf dieser Fahrt.

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