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Und wieder ein Regentag.

Schon in der Nacht setzte das stetige Tropfen ein, das nach kurzer Zeit heftig wurde und eine erstaunliche Kälte mit sich brachte. Natürlich wurde es keine besonders gute Nacht, immer wieder wurde ich wach, weil mich irgendetwas störte. Als ich gegen halb neun, einer Zeit also, in der ich am Tag zuvor bereits lange unterwegs gewesen war, endlich beschloss aufzustehen, konnte mich nichts zur Eile zwingen, denn an Wandern oder dergleichen war nicht zu denken. Also machte ich es mir im Zelt bequem. Ein kurzer Gang zum Bäcker versorgte mich mit einem frischen Baguette, der Kaffee roch verführerisch und Dostojewskis Kurzgeschichten sorgten für gehobene Unterhaltung.

Es war aber auch wahnsinnig kalt. Eingehüllt in meine Fleecedecke, die Füße im Schlafsack, dazu bald das Fleece-Shirt und die Softshell-Jacke, es muss wirklich wie in der Arktis ausgesehen haben. Aber ich saß nicht schlecht auf meinem Camping-Hocker. Und draußen war es so ungemütlich, dass auch mein schlechtes Gewissen, das ich in diesen Situationen oft habe, nicht einsetzen wollte. Was hätte ich tun sollen? Mein Schicksal verfluchen, das mich in diese Situation gebracht hat? So ein Unsinn. Es ist, wie es ist. Mit dem Wetter kann man Glück, oder aber auch Pech haben. Ändern kann man es nicht.

Erst gegen zwölf ließ der Regen etwas nach. Ein Blick auf den Busfahrplan sagte mir, dass in einer Stunde einer der seltenen Busse in die Stadt fahren würde. Also beschloss ich, zumindest noch einmal kurz nach Foix zu fahren. Warum auch nicht? Ein wenig Bewegung würde mir guttun.

So geschah es dann auch. Der Regen hatte bis dahin ganz aufgehört, ohne dass der Himmel weniger bedrohlich aussah.

Abbatiale Saint-Volusien de Foix, Chorgestühl

In der Stadt ging ich wie am Tag zuvor spazieren. Die Geschäfte hatten alle geschlossen, Mittagspause, so dass ich nichts weiter zutun hatte, als durch die Gassen zu schlendern. Die trutzige Kirche besuchte ich, die halb verwittert so gar nicht in die kleine Stadt passen will und aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Innen meine ich bemerkt zu haben, dass der untere Teil romanisch ist, während der obere der gotischen Architektur zuzuordnen ist. Nichts Ungewöhnliches für einen Bau, der sicher Jahrhundertelang entstanden ist. Fast wie der BER.

Kirchen interessieren mich heute kaum noch, aber diese hier hatte etwas Einzigartiges. Das Chorgestühl war es. Es bestand aus geschnitzten Sitzen, die alle mit merkwürdigen Figuren verziert waren. Fabelgestalten, Männer, Frauen, Federn, dicke Brüste, verzerrte Fratzen. Es hatte etwas Groteskes und der Meister, der sie geschaffen hat, muss einen feinen Sinn für Humor gehabt haben. Beinahe hätten mich diese Werke an Götzengestalten aus dem Orient erinnern mögen. Aber das geht natürlich nicht. Es handelt sich hier schließlich um eine Kirche.

Oder?

Foix öffnete langsam wieder, aber echtes Leben wollte sich kaum entwickeln. Es war sehr angenehm nach dem Trubel in Toulouse. Lange blieb ich nicht, nur bis zum nächsten Bus zum Campingplatz. Irgendwie brauche ich manchmal solche Tage.

Der Wetterbericht für Morgen sieht besser aus, auch jetzt scheint schon ab und an die Sonne. Aber wir werden sehen. Temperaturen um 19 Grad wären für eine Wanderung ideal. Ich werde zusehen, dass ich früh starte.

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