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Pünktlich zum Juni-Beginn änderte sich das Wetter. Hatte es in der Nacht noch geregnet, begann der Tag angenehm, wenn auch nicht gerade heiß, so doch zumindest mit einem Aufreißen der düsteren Wolkendecke. Noch traute ich dem neuen Frieden nicht, aber zumindest sah es besser aus als die Tage zuvor.
Auch gegen zehn, als ich alles erledigt hatte, was man erledigen konnte, war noch kein Tropfen gefallen. Also beschloss ich, dass dieser Sonntag der erste Wandertag sein sollte.
Der Sentier de Cathare kommt hier vorbei, den wollte ich ein Stück laufen. Er beginnt in Foix am Bahnhof, wo ich ebenfalls hinlaufen musste, denn Sonntag fahren hier keine Busse. Den Weg hätte ich mich sonst kutschieren lassen.
Gut ausgeschildert begann also gegen halb elf meine Tour. Auch wenn das alles in dieser Region allerhöchstens Mittelgebirgscharakter hat, war ich doch recht schnell aus der Puste. Der Winterspeck belastete mich und auch der Rotwein der dunklen Monate, aber immerhin ging es stetig bergauf. Es war nicht ungefährlich, denn der Boden war ausgesprochen schlammig und rutschig, außerdem uneben und steinig. In einem Wort also: interessant.
Sicher eine Stunde lang marschierte ich auf diese Weise nach oben, war bald ziemlich verschwitzt, aber es fühlte sich gut an. Ich musste mich konzentrieren, so dass es eine anspruchsvolle Wanderung zu werden schien. Die Sonne lugte ab und an durch das dichte Blätterdach, so dass ich wusste, dass es ein guter Tag werden würde.
Irgendwann war ich oben. Vor mir erstreckte sich das Tal der Ariège, in der weiten Ferne sah ich die Gipfel der Pyrenäen, allesamt mit leuchtenden Schneefeldern. Aber die sind noch weit weg.
Oben eröffnete sich eine schmale Ebene. Von nun an wurde der Weg flacher, so als ob, wenn man einmal oben ist, praktisch auf einem Plateau spaziert. Ich traf einige Wanderer, die das schöne Wetter nutzten, alles in allem aber war es eine ruhige Angelegenheit.

Irgendwie hatte ich gehofft, vielleicht Lavelanet und, noch wichtiger, die ehemalige Katharerburg Monségur zu sehen, aber dazu war ich wahrscheinlich doch noch zu weit entfernt. Ich glaube, dass ich die Burg, die eigentlich auf meinem Programm hätte stehen sollen, ein anderes Mal besichtigen werde. Sie liegt nicht auf meiner Route, wäre ein Umweg. Aber wer weiß, vielleicht ändere ich meine Meinung auch wieder.
Dieser Tag jedenfalls führte mich auf recht angenehme Weise entlang von einigen kleineren Gipfeln. Viel vorgenommen hatte ich mir nicht, denn es war ja der erste Wandertag seit Monaten. Was wollte ich da schon erwarten? In solchen Situationen ist es immer wichtig zu wissen, wann es genug ist. Ich wanderte auf dem Katharerweg, der eigentlich auf dieser Strecke recht unspektakulär ist, bis ca. halb zwei, dann entschied ich mich umzukehren. Wenn ich es mir jetzt überlege, dann war es eine gute Entscheidung, denn ich bin jetzt ziemlich am Ende. Der Abstieg war beinahe noch schwieriger als der Aufstieg, denn es kam vor, dass ich ausrutschte. Der Untergrund war alles andere als leicht, so dass ich vorsichtig sein musste. Zum Glück habe ich beim Kauf meiner Wanderschuhe nicht gespart, so wie es sonst der Fall ist. Auf diese Weise kam ich heil unten an.
Der Rückweg zum Campingplatz zog sich jedoch in die Länge. Ich hatte gehörigen Muskelkater, bin auch nicht zu fein oder stolz, das zuzugeben. Morgen werde ich jedenfalls den Markt in Foix besuchen, um am Tag danach vielleicht nochmals anzugreifen und ein weiteres Ziel erwandern. Aber von einem Ziel kann man eigentlich nicht sprechen, denn es handelt sich hier meist um Fernwanderwege. Vielleicht mache ich das eines Tages mal. Erst einmal aber genieße ich den Abend, der zur Abwechslung einmal lau ist. Wundervoll. So kann es weitergehen.

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