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Nach dem vergleichbar sonnigen und warmen Tag gestern setzte heute die Ernüchterung ein. Schon die Nacht war wieder ungewöhnlich kalt, sicher nur an die 5 Grad. Irgendwie hatte ich mir einen Urlaub im Süden etwas anders vorgestellt. Aber das ist jetzt nicht mehr zu ändern. Ich nehme es, wie es kommt.
Heute war Markttag in Tarascon. Vielleicht bin ich durch die grandiosen Märkte in Aix und auch anderen Städten in der Provence etwas überverwöhnt.
Jedenfalls war der Markt etwas klein. Vielleicht lag es auch an meiner etwas schläfrigen Laune, dass ich ihn nicht recht zu würdigen wusste. Am Ende bin ich selbst schuld.
Was ich allerdings nicht verstehen kann, warum er nicht auf dem großen Platz in der Altstadt stattfindet. Ich glaube, dort wäre er richtig malerisch und ein Ereignis sondergleichen. So aber stehen die Buden in den Straßen zu Fuße des Uhrenturms.
Binnen wenigen Minuten war ich durch. Es fröstelte ein wenig, so dass ich weiterlief, nochmals zur Altstadt, die ich auch bei dem wenig verheißungsvollen Wetter bezaubernd fand. An den Bergen hingen schwere Wolken, irgendwie aber musste ich doch zusehen, dass ich den Tag mit etwas Sinnvollem füllte. So also suchte ich einen Wanderweg, der von hier aus starten soll. Unweit des grandiosen Platzes fand ich ihn. Er versteckte sich fast ein wenig, aber ein unscheinbarer gelber Balken an einer Mauer zeigte an, dass ich richtig gelegen hatte.
Ich hatte nicht vor, wandern zu gehen, einfach nur ein bisschen in den Wald, dann mal sehen, wo es mich hintreiben würde.
So geschah es, dass ich immer höher stieg. Ich wollte es eigentlich nicht, denn weder hatte ich eine Regenjacke dabei, noch Wasser. Es war alles nicht geplant. Dann aber war ich „oben“, will heißen, dass ich die größte Steigung hinter mir hatte.
Zwar öffnete sich keine Ebene, dazu war der Wald einfach zu präsent. Dennoch wäre es jetzt dumm gewesen, einfach umzudrehen. Also weiter.
Es war eine nette Angelegenheit, rund um einen Gipfel herum, den ich allerdings nie erreichte. Aus irgendeinem Grund verlaufen manche Wanderwege nicht bis ganz nach oben, sondern an den Gipfeln vorbei.
Die Wolken kamen mir immer näher, diesen Eindruck hatte ich zumindest. Winzige Tröpfchen lagen in der Luft, die mich in meiner Softshelljacke allerdings nicht störten. An das fehlende Wasser allerdings musste ich ab und zu denken.

Es ist einer dieser Momente, wenn sich bei einer an sich einfachen Wanderung ein fantastisches Ziel zeigt. Durch einen sich lichtenden Blätterwald lugte plötzlich ein Gemäuer hervor, das sich rasch als kleine Kirche herausstellte. Nicht dass die Bergwelt nicht an sich genug gewesen wäre. Trotzdem stellte sich dieses Kleinod als Höhepunkt der Wanderung heraus.
Es handelt sich um einen wuchtigen verwitterten Bau, vor einer Wiese, laut Informationstafel aus dem 11. – 13. Jahrhundert. Ich konnte sogar nach drinnen, wo mich ein düsterer, aber angenehmer schlichter Raum erwartete. Es war ein bisschen mystisch, ich stellte mich hinter den Altar. Laut Gästebuch war jemand eine Woche vor mir hier gewesen. Ich verewigte mich nicht, keine Ahnung warum. Vielleicht muss ich nicht überall meine sicher etwas nervigen Gedanken hinterlassen.
Als ich wieder nach draußen trat, war der Regen etwas stärker geworden. Also beeilte ich mich mit einem einfachen Lunch und ging wieder in Richtung Wanderweg, der im Wald verschwand. Dort war ich vor den Tropfen weitestgehend geschützt. Wie um mir den Spaß zu verderben, hörte es kurz danach wieder auf. Ansonsten wäre ich sicher noch etwas länger bei der kleinen Kirche geblieben.
Den schönsten Teil der Wanderung hatte ich hinter mir, bald darauf kam ich an eine Gabelung, die ich eindeutig auf der Wanderkarte identifizierte. Ein breiter etwas zu gut ausgebauter Weg, den ich auch als raue Straße bezeichnen könnte, führte mich wieder nach unten. Es wurde ein bisschen langweilig. Und wie es so ist, ziehen sich solche Abschnitte dann ziemlich in die Länge. Ich kam durch den Ort Ussat hindurch, wusste also, dass ich bald auf dem Campingplatz sein würde. Gute drei Stunden, nachdem ich vom Markt aus aufgebrochen war, kam ich wieder an. So wurde aus einem müßigen Marktbesuch eine sehr angenehme und nicht all zu anstrengende Wanderung. Mir tat sie gut, das Wetter hatte gehalten, ich war angenehm erschöpft, ohne vollständig am Ende zu sein und werde sicher morgen noch genug Kraft besitzen, um nach Niaux zu kommen. Darauf bin ich besonders gespannt.
Langsam beginne ich das letzte Drittel dieser Reise. Es fühlt sich nicht so an, als sollte sie bereits soweit gediehen sein. Nun, es wird nicht die letzte Fahrt in diesem Jahr. Aber daran will ich noch nicht denken.

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