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Es ist Frühling.
Das ist keine Neuigkeit, die man im Mai erwähnen müsste, doch bis heute früh war es noch einmal bitterkalt. Jetzt scheinen die Eisheiligen ein für allemal vorbei, so fühlt es sich zumindest an. Ob es schon reicht für ein Dinner im Freien werden wir heute Abend sehen. Zumindest meine Jacke aber kann ich vielleicht für diese Reise einpacken. Nach dem Regen der letzten Tage ist es eine Wohltat, im Schatten sitzen zu können. Um mich ein wenig auf die Reise einzustimmen, unternehme ich gerade eine Wanderung. Hier, am Lac de Vouglans, kann ich sowieso nichts anderes machen. Es sind keine alpinen Spaziergänge, aber es reicht. Der See ist ruhig, kaum jemand ist hier, doch das ist genau das Richtige für den Moment. Die Städte- und Dorftouren kommen noch früh genug.
Mir stecken die Fahrtage noch etwas in den Knochen. Und auch wenn ich natürlich noch lange nicht in Nizza bin, so weiß ich doch, dass ab jetzt die Etappen immer kleiner werden. Morgen geht es nach Lyon, das etwas mehr als 100 Kilometer entfernt liegt. Wer weiß schon, wo es mich danach hintreibt.
Immer wenn ich an einem See bin, vergleiche ich ihn zwangsläufig mit der Havel in Berlin. Das ist eigentlich nicht richtig, denn besonders Gewässer sind immer anders. So auch hier. Ich weiß gar nicht, ob ich nicht eher einen gewaltigen Fluss vor mir habe, denn der Lac de Vouglas schlängelt sich raffiniert und geheimnisvoll, so dass ich ihn nicht vollends überblicken kann. Er ist jedenfalls sehr still, was daran liegen könnte, dass im Augenblick kaum Boote unterwegs sind. Im Moment schaue ich gerade auf ein Fischerboot. Der Angler sitzt unbewegt mit einigen Ruten im Wasser da und wartet. Das macht er schon, seit ich vor einer halben Stunde am Strand angekommen bin. Ich muss gestehen, dass ich diese Geduld bewundere. Auch wenn mein oft unangebrachter und unüberlegter Aktivismus sich mit den Jahren merklich gelegt hat, bin ich noch weit von dieser Art Ausgeglichenheit entfernt. Das Leben ist aber noch lang, also was nicht ist, kann noch werden.

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