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Es ist nicht viel passiert.
Gestern noch schwadronierte ich über den Frühling und die veränderte Wetterlage, heute wurde ich für diese Arroganz bestraft. Schon in der Nacht begann es zu regnen. Erst tröpfelte es, dann aber brach die Sintflut herein. Wahrscheinlich hielt mich das jetzt ungewohnte Geräusch im Halbschlaf, so dass ich gerädert aufwachte. Zu allem Überfluss war auch die Rezeption bis halb zehn (!) nicht besetzt, so dass ich eine Stunde warten musste, bis ich abfahren konnte.
Die 130 Kilometer bis Lyon streckten sich, wieder erkannte ich Teilstrecken wieder, die ich schon vor vier Jahren gefahren war, auf dem Weg in die Provence und zurück, das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ich sie wieder besucht hatte. Eigenartig, an was sich ein Gedächtnis erinnert. Es sind immer markante Punkte, Kreuzungen oder Architektur. Heute war es auch ein Discounter, Dia, den ich mir gemerkt hatte, weil ich diese Kette damals eigentlich in Italien angesiedelt hatte. So kann es kommen.
Während der ganzen Fahrt hörte es nicht auf zu regnen. Das eintönige Geräusch des Wischers und das gewaltsame Brummen des Motors gingen mir auf die Nerven, so dass ich lange drei Stunden später auf dem Platz bei Lyon ankam. Es war zwar erst kurz nach zwölf, doch nach einer angemessenen Pause verspürte ich keine Lust, bei Regen und Kälte eine Stadtbesichtigung zu machen. Stattdessen verkrümelte ich mich in einen riesigen Hypermarché. Ich mache das ab und zu sehr gerne, vor allem an Tagen wie diesen. Die schiere Auswahl erschlägt mich immer und meist kaufe ich wenig bis gar nichts. Aber das macht nichts, denn es war eine vergnügte Stunde. Als Alleinreisender ist es auch so, dass ich wenig brauche. Viele frische Lebensmittel muss ich dringend aufbrauchen, so dass ich eigentlich nichts kaufen musste. Ein Baguette, das war es dann. Danach schlenderte ich durch das nahe Decathlon, ein Sportladen, den ich auch sehr mag. In Gedanken plante ich meine Wanderung nach Santiago, die ich vielleicht nächstes Jahr unternehmen werde (Anmerkung sechs Jahre später: dazu kam es nie, ich verspürte nie Lust dazu, eine spirituelle Reise auf diese Weise zu unternehmen). Aber bis dahin ist noch viel Zeit.
Morgen sehe ich mir in jedem Fall Lyon an, mag kommen, was will. Denn wer nur bei Sonnenschein reist, kommt nie ans Ziel. Heute habe ich das nicht beherzigt, aber morgen werde ich allen Naturgewalten trotzen.
Es ist die Ironie des Schicksals, dass es in Berlin sommerlich heiß ist, während es hier geradezu kalt scheint, mit seinen 15 Grad. Und dass ich mit Absicht früh aufgebrochen bin, um noch etwas Sonne zu tanken, bevor Nina hier angeflogen. Die Vorhersagen sind nämlich düster. Aber wie oft hatten Meteorologen schon recht? Wir werden sehen. Und vor allem das Beste daraus machen.

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