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Die letzten beiden Tage fielen ebenfalls ins Wasser.
Ich mag kaum glauben, dass ich in der Provence bin, einem Ort, von dem ich immer geglaubt habe, dass es hier Sonnenschein pur gibt, unterbrochen vielleicht von kurzen Schauern. Was wir die letzten beiden Tage erlebten, lässt mich zweifeln.
Ich holte meine Schwester vorgestern vom Gare de Vaise in Lyon ab. In diesen Augenblicken regnete es gerade nicht, doch als wir weiter in Richtung Süden fuhren, verdunkelte sich der Himmel immer mehr, bis uns Gewitter und Stürme voll erwischten. Auf diese Weise kamen wir nur langsam voran, noch langsamer als ohnehin schon. Erst gegen Abend erreichten wir einen Campingplatz in der Nähe von Vaison la Romain, fuhren also nicht bis nach Gordes, um diese Fahrt ein wenig abzukürzen.
In diesem Augenblick hatten wir Glück, denn für zwei Stunden brach die Wolkendecke auf und es hörte auf zu regnen. Wir ließen uns nicht zweimal bitten, sondern nutzten die Abendstunden für einen kurzen Besuch in Faucon, einem winzigen Dorf, das man durch die Weinberge erreichen konnte. Es sind diese Momente, die das typische Provence-Feeling aufleben lassen. Der Ort ist mittelalterlich, liegt auf einem Hügel und passt sich lieblich in die Landschaft ein. Von oben, nahe der Kirche, hatten wir einen herrlichen Blick auf die Gegend. Ich atmete tief durch, glaubte gar nicht, wie lange ich darauf hatte verzichten können.
Leider waren die dunklen Wolken nicht weit, wir hatten jedenfalls einen wundervollen ersten Eindruck gewonnen. Wenige Minuten, nachdem wir am Camper angelangt waren, begann es wieder zu schütten, so sehr, dass es fast schon beängstigend war. Die ganze Nacht hielt dieser unbefriedigende Zustand an.
Hatten wir die Hoffnung gehegt, dass sich das am Morgen ändern würde, wurden wir enttäuscht. Bäche flossen am Wohnmobil vorbei, es plätscherte und rauschte, dass es eine Freude war. Ich dachte zurück an andere Reisen, in denen ich oft tagelang bei solch einem Wetter im Camper verbracht hatte. Das kam nicht infrage. Ich überredete meine Schwester, nach Vaison zu fahren. Wir sind ja nicht aus Zucker, hätte meine Mutter gesagt.

Vaison lohnt sich, auch bei widrigen Umständen. Die alte Römerstadt begrüßte uns finster und feucht, aber das machte nichts. Ohne viel Zeit zu verlieren, mit Regenschirm und -jacke bestückt, kämpften wir gegen die Umstände. Es ging über die Römerbrücke, die seit Jahrhunderten den Gewässern trotzt. Es war herrlich, durch die mittelalterlichen Gassen zu schlendern, wenn man das bei dem Wetter so bezeichnen kann. Wir hielten uns tapfer, den höchsten Punkt, die Burgruine, erreichten wir aus irgendeinem Grund trotzdem nicht. Erst später, als wir schon längst wieder unten waren, sahen wir sie. Den Abzweig hatten wir offensichtlich verpasst.
Der Regen wurde immer stärker, trotzdem sahen wir uns noch die römischen Ruinen an, zumindest durch die Gitter des eingezäunten Areals. Es muss einmal eine bedeutende Stadt gewesen sein. Die Kathedrale konnten wir in jedem Fall besichtigen. Sie steht auf Fundamenten, die aus den Resten der römischen Stadt stammen. Überall waren kannelierte Säulen zu sehen, auch Kapitelle oder Stelen, eingebaut in die Mauern. Die Kathedrale ist klein und wuchtig, und fantastisch romanisch. Innen ist es dadurch sehr dunkel, die gewaltigen Wände sind nur selten von winzigen Fenstern mit Rundbögen durchbrochen. Am Schönsten jedoch ist der Klostergang nebenan, auch er ist im romanischen Stil erbaut. Innen war der Klostergarten zu sehen, ein Olivenbaum streckte sich stolz in die Höhe. Solche Gänge wirken auf mich immer wieder beruhigend, heute vielleicht besonders, weil wir endlich für einige Zeit dem fürchterlichen Regen entkommen waren.
Wieder draußen verloren wir langsam die Lust auf weitere Aktionen. Meine Hose war mittlerweile durchgeweicht, meine Schuhe ebenso, obwohl es sich dabei um feste Wanderstiefel handelte. Wir suchten noch ein Café auf, das aber so zugig war, dass wir es nicht lange aushielten. Am Ende verließen wir Vaison nach drei Stunden, waren trotz der Umstände froh, etwas unternommen zu haben. Ich würde diese drögen Tage im Camper nicht gerne aushalten.
Jetzt, einen Tag später, ist es zwar immer noch nicht sehr warm, aber die Sonne lässt sich ab und zu blicken. Ich möchte glauben, dass wir das Schlimmste überstanden haben. Wir haben es verdient, nach tagelangem Dauerregen, der allmählich damit begonnen hat, alles zu durchnässen und zu durchfeuchten. Jetzt ist es Zeit zum Trocknen. Wir sind verdammt nochmal in der Provence.
Da hat es schließlich schön zu sein. Meistens jedenfalls.

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