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Langsam hält das schöne Wetter wirklich Einzug. Die Nächte werden immer wärmer, die Abende dadurch natürlich auch. Die verregneten und kalten Tage verblassen in der Erinnerung, übrig bleiben die schönen Momente, von denen man zehrt. Es ist gut so. Wer will schon nur an Kälte denken?
Wir waren an diesem Tag recht früh wach, ließen uns jedoch nicht hetzen. Erst gegen zehn brachen wir nach einem ausgiebigen Frühstück auf. Zehn Kilometer sollten es nach Aix von Beaurecuil aus sein, wahrscheinlich trifft es auch zu. Was wir nicht wussten, war der Umstand, dass die Strecke alles andere als brandenburgisch-flach war. Ein „falscher“ Abzweig und schon befanden wir uns auf der Route de Cézanne. Malerisch war sie natürlich, leider führte sie uns Städter jedoch mitten in die Berge, die Aix umgeben. Ab einem gewissen Punkt, der eher früher als später kam, mussten wir absteigen und die Räder schieben, weil es zu steil für unsere verwöhnten Muskeln wurde. Ein Gutes hat es ja, denn auf diese Weise konnten wir recht entspannt den Weg genießen. Bis kurz vor Aix geht es nur durch Wälder, zwar auf einer Straße entlang, dennoch war der Weg wirklich ansprechend. Irgendwann hatten wir es geschafft und den Scheitelpunkt erreicht. Dann macht Fahrradfahren natürlich Spaß, immer nur hinunter.
Aix erreichten wir ungefähr eine dreiviertel Stunde nach Aufbruch, nicht schlecht eigentlich. Wir hatten uns mit Absicht einen Markttag ausgesucht, um die Atmosphäre zu schnuppern. Aix ist immer wieder eine Reise wert. So oft ich auch schon hier war, die alten erhabenen Gebäude in der Altstadt, die entspannte jugendliche Aura und die vielen kunstvollen Geschäfte, von denen bei Weitem nicht alle auf den Tourismus abzielen machen, Aix immer wieder attraktiv. In den sonnenüberfluteten Gassen herrschte manchmal noch ein recht kalter Zug, der im völligen Gegensatz zur gleißenden Sonne stand, im Großen Ganzen aber kam bei uns schnell die provencalische Stimmung auf, die ich liebe. Wir schlenderten durch die Stände am Cours de Miraboux, sahen uns den Kleidermarkt an. Fast war ich gehallten, einen schönen Stoff zu kaufen. Aber was soll ich damit? Das Nähen habe ich noch nicht angefangen. Auch wenn ich es mir vorgenommen und auch schon eine alte Nähmaschine besorgt habe. Sei es drum, erst einmal probiere ich mit dem billigen Stoff zuhause, bevor ich mich an etwas Größeres wage.

Aix-en-Provence

Bald schon schlugen wir uns in Richtung Altstadt, am Rathaus trafen wir auf die ersten Lebensmittel-Märkte, Gemüse und Blumen größtenteils. Immer wieder berauschend, wie die frischen Produkte riechen. Wir probierten einige Sachen, Süßspeisen, Käse und Salami, genossen die Stimmung, die uns immer weitertrieb. Beinahe zufällig stießen wir dann auf den zweiten großen Markt am Place de Pecheur, der noch eindrucksvoller ist. Hier sprachen unsere Mägen ein Machtwort, bei so viel kulinarischer Prächtigkeit und dieser Auswahl mussten wir für einen entsprechenden Lunch sorgen. Pain de Campagne, selbstverständlich. Ziegenkäse so mild, wie ich ihn noch nie gegessen habe. Hartkäse so herzhaft und streng, dass es eine Freude war. Orangen so dick wie Gigantenfäuste. Zu guter Letzt eine Salami aus Eselfleisch, also für mich eine Neuheit. Sie war geschmacklich wesentlich strenger, als ich es mir vorstellen konnte. Wir suchten den einzigen Park auf, den ich in Aix kenne und zusammen mit Kindern, Studenten und allen anderen, die hier einige glückliche Stunden verbrachten, aßen wir unsere Köstlichkeiten, bis wir so satt waren, dass kaum etwas unsere Augen offenhalten mochte. Es sind diese kleinen Freuden des Lebens, simple pleasures, auf die ich niemals verzichten möchte.

Nach einer Ruhestunde brachen wir auf, um ein nettes Café zu finden. Meine Wahl stellte sich leider nicht als besonders gut heraus, eine Baustelle machte viel Lärm und später kamen wir an Dutzenden Orten vorbei, die wesentlich besser geeignet gewesen wären. Aber sei es drum. Hier konnte ich schreiben (den Journaleintrag vom 20.05.) und danach die Menschen beobachten, die durch dieses Nadelöhr an uns vorbei mussten. Also eigentlich nicht schlecht zu diesem Zweck. Danach schlenderten wir noch ein gutes Stündchen durch Aix, genossen weiterhin die Altstadt. Mehr brauche ich eigentlich nicht, besonders hier nicht. Die verwitterten Häuser, die prächtigen Verzierungen, die Brunnen und einzigartigen Geschäfte reichen, um mehr als einen Nachmittag zu füllen. Ich kann nicht sagen, dass wir genug hatten, aber wir hatten beide noch den Rückweg vor uns, der uns etwas Sorge bereitete. Wir kauften noch schnell etwas für das Abendessen, wobei ich sagen muss, dass ich es bereute, nicht gleich alles auf dem Markt gekauft zu haben, denn die Produkte sahen viel besser aus. Dann brachen wir auf. Instinktiv zieht es einen eher dahin, wo man hergekommen ist. Die Route de Cézanne fanden wir auch, doch wollten wir eigentlich nicht dort entlang. Also bogen wir anders ab und hatten Glück. Einige Meter weiter und wir befanden uns auf dem Weg, den wir am Morgen eigentlich hatten finden wollen. Er war einfach und eben, natürlich nicht so spektakulär wie die Route, aber zu diesem Zeitpunkt brannten unsere Muskeln zu sehr, als dass wir darauf geachtet hätten. Erschöpft, aber glücklich kamen wir am Abend auf dem Campingplatz an. Es sind diese Tage, von denen eine Reise wie diese lebt. Zwar schreibe ich nicht so viel, aber das kommt schon wieder, wenn ich allein bin, was noch einige Wochen dauern wird.

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