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Und es war Fahrtag.
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie vielfältig die Strecken sich hier gestalten. Bergig, kurvig, hinauf, hinunter. Zum Fahren ist es natürlich interessant, auf der anderen Seite auch ungemein anstrengend. Ich bekomme leider natürlich viel zu wenig mit, weil ich mich auf die Straße konzentriere und den Verkehr, der aufgrund meiner Langsamkeit immer drängt und schiebt, überholt oder verärgert zurückbleibt, weil es keine Möglichkeit zum Passieren gibt. Besonders die Strecken von und nach Nizza sind – von der mautpflichtigen Autobahn abgesehen – auf diese Weise anspruchsvoll. Ich genieße es immer für eine Weile, weil ich so die Gegend besser kennenlerne. Natürlich nur auf diese sehr oberflächliche Art und Weise, aber immerhin. So verwundert es auch nicht, dass wir für 140 Kilometer sechs Stunden brauchten. Keine reine Fahrzeit, denn ab und an hielten wir, um einzukaufen oder besondere Ausblicke zu genießen. Ich hatte den Fehler gemacht, Garmin an diesem Tag vollständig zu vertrauen. Sie schickte mich bei Draguignan auf eine unglaubliche Bergstraße, während eine andere Route an der Hügelkette vorbeigeführt hätte. Das hatte aber auch sein Gutes, denn wir kamen an Tourtour vorbei, einem der Auszeichnung nach schönsten Dörfer Frankreichs. Wir mussten uns den Ort natürlich ansehen.
Er hat wirklich Charme, was mich aber immer sofort zurückschreckt: Wenn es einen Laden wie Blanc de Blanc de Nil gibt, weiß ich schon, dass die Touristen nicht weit sind. Zum Glück war es an diesem Tag anders, das fürchterliche Wetter, das sich wieder eingestellt hatte, hält wohl die meisten Menschen von ernsthaften Ausflügen ab.

Tourtour

Tourtour war ansehnlich, verschroben, alt. Die alten Gassen leben, auf verwitterten Steinstufen stehen Blumentöpfe, um die Katzen herumschleichen. Eine Trutzburg ist jetzt Teil des Dorfbildes, sie ist aber eindeutig zu erkennen. Mein Empfinden war, dass Tourtour noch nicht überkandidelt renoviert ist, sondern noch einiges von seiner Ursprünglichkeit bewahrt hat. Ein bisschen Finsternis gehört also mit dazu. Wir bewunderten also die alten Gemäuer, besuchten einige der Attraktionen, fanden aber nur die freiliegenden alten Waschanlagen geöffnet. Die kommunale Ölmühle war leider geschlossen, sie hätte mich wirklich interessiert. So also beließen wir es bei einer kurzen Stippvisite, schauten uns noch die romanische Kirche an, deren Gewölbe des Hauptschiffes besonders eindrucksvoll ist.
Wir fuhren endlich weiter, denn irgendwie hatte ich genug von der Fahrerei. Wir wollten einen Campingplatz bei Montmeyan ansteuern, bei einem Chateau, was uns reizte. Leider war er in einem erbärmlichen Zustand, weder Fisch noch Fleisch, unfertig oder bereits verfallen. Zumindest der Ort war schön, in dem wir noch einen Abendspaziergang machten. Auch seine alten Wehranlagen regen die Fantasie an, Türme und Mauern sind in den heutigen Ort integriert. Im einzigen Pub der Stadt nahmen wir noch einen Pastis zu uns, erhaschten einige Sonnenstrahlen, die an diesem Tag rar waren. Es wurde leider wieder kühler, was mir immer wieder ein Kopfschütteln abringt. Wir reden hier vom Süden Frankreichs, es ist Ende Mai, es müsste sommerlich heiß sein, stattdessen ist es eiskalt, so wie im Spätherbst oder zu Beginn des Frühlings im Norden. Aber es sollte noch nicht das Letzte sein, das uns erwarten sollte.

Montmeyan

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