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Der Regen bollerte gegen den Camper, der kalte Hauch, den er mitbrachte, drang durch jede Ritze ein, so dass uns der Abschied nicht schwerfiel. Es ist ein bisschen ungerecht und auch schade, dass das unsere Erinnerung an das Var sein sollte, aber ein nächstes Mal gibt es immer. Auch die Vorhersage für das Luberon war schlecht, doch als wir recht spät abfuhren, besserte sich das Wetter ein wenig. Wenigstens brach die Sonne durch, und auch wenn es kalt blieb, wurde es doch freundlicher.
Apt war die nächste Station, das Zentrum des Luberon also, das wir vor drei Jahren an einem Montag besucht hatten, also dem Ruhetag für die ganze Stadt. Damals war es so langweilig, dass es kaum zu fassen gewesen war. Wir wollten der Stadt eine neue Chance geben.
Der Campingplatz liegt ein Stück in den Bergen in Richtung Saignon, das wir morgen ansehen werden. Auf dem Platz angekommen, suchten wir entgegen aller Vernunft einen kompletten Sonnenplatz aus. Kein Schatten stand uns im Weg, was ich nie mache, wenn ich unterwegs bin. Aber es sind verzweifelte Zustände, die sich uns in den Weg stellen. 16 Grad und Sonne, da lässt es sich aushalten. Wir ruhten uns nach der kurzen Fahrt aus. Aber dann wollten wir nach Apt. Zwei Kilometer gestalteten sich noch als recht einfach, ein Marsch allerdings entlang einer geschäftigen Straße. Der Franzose gehört nicht zur Spezies der besonders rücksichtsvollen Autofahrer, was wahrscheinlich europaweit und darüber hinaus ohnehin ein Oxymoron darstellt. Wir kamen trotzdem ohne Kratzer in der Stadt an.

Apt

Sie ist schön. Auch von oben. Natürlich ist sie kein Zentrum, so wie Aix oder Avignon, eher ein Provinznest in einer Provinzgegend. Aber das stimmt ja eigentlich schon wörtlich miteinander überein. Sie ist wirklich nett, ein wenig ungeschmückter als ihre aufgehübschten kleineren Schwestern wie Roussillion oder Gordes in der Gegend, dennoch mit genauso viel, wenn nicht mehr Charme, weil die Mischung aus Einheimischen und Touristen noch stimmt. Die mittelalterlichen Gebäude, die engen Gassen und die breitere Hauptstraße, die direkt durch Apt hindurchführt, haben uns einen angenehmen Nachmittag verschafft. Es ist keine Stadt, die übertrieben erscheint, das war auch der Eindruck von vor einigen Jahren. Schön, dass die Gentrifizierung nicht alles zunichte gemacht hat. Ich weiß, wovon ich rede, denn das geschieht gerade in meiner Heimatstadt Berlin. Nun, ich halte es für sinnlos, den Weg der Zukunft aufzuhalten. Trotzdem muss man immer sehen, dass Veränderungen auch für Einheimische erträglich bleiben. Das gilt für die Provence und ihre Orte genauso wie für eine Metropole to be wie Berlin. In Apt jedenfalls ist es gelungen. Finde ich zumindest.
Wir wären gerne noch einige Zeit geblieben, aber der fragile Sonnenhimmel war bedroht durch düstere Wolken. Wir kannten den Anblick leider nur zu gut. Natürlich hatten wir in einem Ansturm von freudiger Verantwortungslosigkeit wegen der sich zu etablieren scheinenden Sonne auf dem Campingplatz alles hinausgehängt, was trocknen oder lüften musste. Handtücher, Schlafsäcke, Schuhe. Das alles war gefährdet.
Eher missmutig also begaben wir uns auf den Rückweg. Es ging gut, bis wir nach einer halben Stunde auf den Campingplatz einbogen. Hier öffnete sich der Himmel, wie bestellt also. Wir rannten zum Camper und brachten alles gerade rechtzeitig in Sicherheit. Mein Pastis, auf den ich mich eigentlich gefreut hatte, musste also warten.
Der Tag gehört trotzdem zu den erfolgreichen, so wie die meisten irgendwie. Wir sind im Luberon, das uns immer ungemein anzieht. Ich persönlich wäre lieber ein Stück weiter, nach Forcalquier, gefahren, so aber ist es auch gut. Vielleicht schaue ich auf dem Rückweg vorbei.
Meine Tour jedenfalls ist vom Plan her gefährdet. Ob ich bei diesem Wetter wirklich in die Bretagne fahre, werde ich noch sehen. So haben wir nicht gerechnet, lieber Petrus. Ich habe genug Alternativen, wenn ich erst wieder allein unterwegs bin.

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