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Heute hatten wir etwas geplant, was ich wahrscheinlich alleine nicht unternommen hätte. Ich habe einige Probleme damit, an Orte zurückzukehren, die ich früher schon einmal ausführlich besucht habe. Nicht, dass diese Orte ihren Charme verloren hätten. Es ist nur so, dass ich meist enttäuscht bin, weil der Zauber des Neuen gänzlich abhanden gekommen ist. In den letzten Jahren hat sich das ein wenig relativiert. Natürlich gehen die Orte, die ich neu bereisen kann, nie aus, aber ich hatte in der letzten Zeit durchaus Freude daran, auch gewohntes neu zu entdecken. Früher wäre es undenkbar gewesen, vielleicht habe ich mich verändert, bin ruhiger geworden und schaue genauer hin, so dass ich imstande bin, auch Neues dort zu entdecken, wo ich es eigentlich nicht mehr vermute. Meine Schreiberei hat mir auch dabei geholfen, denn sie ist nicht mehr so oberflächlich, wie noch vor einigen Jahren. Das könnte es also sein, ich schaue genauer hin, sowohl beim Schreiben, als auch beim Reisen. Nichts ist zu trennen, alles geschieht ganzheitlich.
Lange Rede, wir fuhren an diesem Tag nach Menerbes. Zweimal waren wir bereits dort, das Dorf, das Peter Mayle in seinem Buch „A year in Provence“ unsterblich gemacht hat. Ich habe an anderer Stelle schon darüber geschrieben.
Mich zog es nicht unbedingt dorthin, doch als wir den bekannten Parkplatz erreichten, freute ich mich, dass wir hier waren.
Ich kann nicht sagen, ob Menerbes ursprünglich ist. Aber es ist anders als seine berühmteren Nachbarn. Es scheint mir fast, als ob es nicht touristisches Zentrum, sondern eher Anlaufpunkt für Haussuchende ist, die eine Zweit- oder Drittwohnung kaufen möchten. Vielleicht täuscht es auch, aber m.E. sah ich mehr Immobilienagenten als anderswo. Als wir das Dorf betraten, waren wir in jedem Fall wieder verzaubert. Es hat etwas Beruhigendes, denn es fehlen die Horden. Beinahe verschlafen wirkt es, im Gegensatz zu den mit Bustouristen überfluteten Nachbarn Gordes oder Roussillon. Ersteinmal verliefen wir uns. Soviel zum Kennen eines Ortes. Trotzdem ist so etwas immer relativ, denn wir liefen eine Steigung empor, an alten Häusern vorbei. An vielen klebte ein Zettel „A Vendre“. Mir kam das merkwürdig vor. Ist hier der Boom der letzten beiden Jahrzehnte vorbei oder wollen die Leute endlich ihr Schnäppchen machen? Vielleicht spielt auch die große Krise eine Rolle. Meist handelt es sich jedenfalls um Objekte, die einiges an Arbeit benötigen. Beinahe hatten wir Menerbes schon wieder verlassen, als wir uns entschieden umzudrehen. Auch danach wandelten wir nicht auf alten Pfaden, sondern brachten es fertig, uns immer wieder zu verlaufen, was angesichts der Größe Menerbes eine Leistung darstellt. Das alles ist jedoch relativ, denn auf diese Weise entdeckten wir das Dorf neu. Es ist so friedlich, lädt einfach nur zum Schlendern ein, etwas, das man beinahe allein genießen kann. Es ist natürlich möglich, dass es auch am Wind lag, der wieder mächtig blies. Als Ausgleich schien die Sonne, auch wenn wir Strickjacken benötigten. Langsam, ganz langsam setzt sich der provencalische Frühling durch.

Ménerbes

Als wir den Uhrenturm erreicht hatten, erinnerten wir uns endgültig. Von der Höhe aus genossen wir die Aussicht auf das Luberon, die immer anders ist. In einem Restaurant am Platz mit angeschlossener Buchhandlung und Verkauf von Spezialitäten sahen wir Glasbehälter mit faustgroßen Trüffeln. Irgendwie reizen mich die gewaltigen schwarzen Knollen. Ich weiß nicht, ob sie echt sind, d.h. aus der Gegend stammen oder aus China eingeflogen werden. Dennoch, irgendwann möchte ich einmal ein besonderes Omelette zubereiten.
Wir erreichten die Kirche, die renoviert wurde, und den Friedhof, von dem aus man den schönsten Blick auf die Gegend haben sollte. Ich habe ihn noch nie betreten, denn er ist immer abgeschlossen. Er sieht auch nicht so aus, als ob er für viele zugänglich ist, das Gras, das um die verwitterten und schiefen Grabsteine herumwächst, ist kniehoch. Es ist schade, ich wäre gerne einmal zwischen den Gräbern umherspaziert, immer mit dem Blick auf die Gegend gerichtet.
Danach wagten wir den Abstieg, denn wir wollten den mystischen Garten sehen, der dem Maler Joe Downing gewidmet ist. Wir erlebten eine kleine Enttäuschung. Auch er war abgesperrt. Für mich wäre ein Besuch dieser Oase des Friedens ein Höhepunkt gewesen. Keine Ahnung, warum er nicht auf war. Eine dicke verrostete Kette versperrte uns jedenfalls den Weg.
Wir ließen uns nicht die Laune verderben, wanderten noch ein wenig umher, bis wir genug hatten. Eine schöne Stunde war vorüber und es war Zeit abzufahren.
Um doch noch etwas zu sehen, das wir noch nicht kannten, fuhren wir zurück nach Apt, um von dort aus Saint-Saturnin-lès-Apt zu besuchen. Das kleine Dorf liegt nun wirklich abseits jeder Touristenstrecke und ist noch nicht einmal im Rough Guide zu finden. Welch ein Glück, möchte ich sagen, denn dadurch ist der Kelch des Kitsches an dem Ort vorübergegangen. Keine Lavendelseifenläden, keine Tischdecken mit Olivenmuster, keine bunten Schälchen mit eigenartigen Namen darauf. St Saturnin liegt einfach da, still und schön, wie es schon seit Jahrhunderten zu existieren scheint. Die Gebäude scheinen nicht ganz so alt wie sonst, eher aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, was St Saturnin eine eher bürgerliche Atmosphäre gibt. Der Ort wirkt jedenfalls vornehmer als die Dörfer, als hätten sich hier die Adligen versammelt. Hoch über dem Ort thront eine Kirche, bzw. eine Burg. Erst aber besuchten wir das einzige Café, das wir finden konnten. Schon allein das ist bezeichnend. Bis auf eine kleine deutsche Familie und einem Einheimischen waren wir allein, wir Touristen rissen uns um die wenigen Sonnenplätze, der Franzose beobachtete das alles aus belustigt-pastishaltigen Augen. Der Kaffee war sehr gut, erfrischend, so dass wir danach den Aufstieg zur Schlossruine wagen konnten. Es ist nicht viel übrig, aber die Aussichten auf den Ort sind von dort oben einfach atemberaubend. Wie ein Schiff liegt St Saturnin da, friedlich und schön, so wie es auch ist. Der Eindruck täuscht nicht. Die Kirche ganz oben erreichten wir schneller als gedacht, sie war nicht zugänglich, aber das machte nichts. Wir waren glücklich, einfach da sein zu können. Das ist es, was die Provence auszeichnet. Es sind nicht die gewaltigen Attraktionen, sondern die vielen Sinneseindrücke unterschiedlichster Natur, die man genießen muss.
So ging ein schöner Tag zu Ende. Mit einem Salade du Chevre.

Saint-Saturnin-lès-Apt

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