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Pünktlich zum Juni-Anfang wird es besser. Zumindest werden die Nächte wärmer, was auch dringend nötig ist. Den Wust aus Decken kann ich langsam zur Seite legen, der Schlafsack bleibt offen, das T-Shirt auf dem Stuhl. Es muss langsam sein.
Auf den Tag hatte ich mich besonders gefreut. Markttag in Apt. Wenige habe ich bislang gesehen, dieser versprach jedoch ein absolutes Erlebnis zu werden. Es war sogar so, dass wir uns nichts anderes vorgenommen hatten. Nur diesen Marktgang eben. Ich hatte am Freitag (also gestern) den in Forcalquier verpasst, daher war mir dieser vielleicht besonders wichtig. Ich kann es gleich vorwegnehmen: Es war fantastisch.
Schon auf dem Parkplatz vor der Stadt herrschte mächtiger Andrang. Trotzdem wirkte es ein wenig klein und, wie ich fand, waren die Produkte auch nicht besonders prächtig. Das konnte es noch nicht gewesen sein. War es natürlich auch nicht. Denn über die ganze Stadt verteilt befanden sich Stände, alle mit den herrlichsten Früchten, Würsten, Käsesorten oder handwerklichen Gegenständen gefüllt. Proppenvoll waren die sonst etwas schläfrigen Gassen, ein Gewimmel, das Apt so lebendig wie noch nie erscheinen ließ. Wir verbrachten einige Zeit, um uns alles so gut es ging anzusehen. Ich probierte Wildschweinsalami, eine strenge Angelegenheit, die lecker, aber auch ein wenig intensiv war. Ich weiß nicht, ob ich davon viel essen kann. Ein kleines Stück reichte beinahe.
Ich weiß nicht warum, aber ich zeigte großes Interesse an provencalischen Stoffen. Etwas in mir wollte einige Proben kaufen. Nina hielt mich dezent davon ab. Kitschalarm. Komischerweise sehen diese Produkte nur hier, auf dem Markt, gut aus. Ich wüsste auch nicht, was ich damit anfangen sollte, denn die Nähmaschine verstaubt auf meinem Schreibtisch. So also fühlte ich nur, während in meinem Kopf eine Handtasche entstand, die ich sicher nicht in der Lage wäre zu nähen. Eines Tages aber mache ich sie.

Auf dem Markt gab es auch eine recht große Ecke an Billig-Ständen. Sie erinnerte mich an die Türken-Märkte im Crellekiez in Berlin. Nicht, dass ich falsch verstanden werde, ich mag diesen Markt sehr gerne und gehe auch mehrmals im Jahr dorthin. Hier wirkte es aber etwas anders. Sagen wir: Ökonomisch. Was die Produkte betraf, sie sahen auch nicht anders aus, als an den Ständen, die sich auf den Hauptplätzen von Apt befinden, nur dass die Preise auf die Hälfte reduziert schienen.
Es ist immer ein wenig schade, dass wir mit dem Camper unterwegs sind. Wenn ich hier wohnen würde, hätte ich kein Problem damit, meinen Wocheneinkauf hier zu machen. So aber blieb uns wenigstens, unseren Lunch zu erstehen. Vor drei Jahren haben wir uns auf dem Markt in Forcalquier einen Banon-Käse geleistet, einen in Kastanienblättern eingewickelten, reifen Ziegenkäse. Damals bekam Nina, bevor sie ihn genießen konnte, einen Migräneanfall mit anschließender Übelkeit. So also holten wir heute nach, was ihr damals versagt geblieben war. Dazu ein Pain de Campagne, mehr braucht es nicht. Vorher aber setzten wir uns in ein Café, um dem Treiben auf dem Markt zuzusehen. Leider spielte das Wetter wieder einen Streich. Schon morgens war es bewölkt gewesen, nun kam noch ein unangenehmer Wind dazu. Ich weiß, dass ich das Wetter auf dieser Fahrt oft erwähne, aber es bestimmt in diesen Tagen nun mal in extremer Weise unsere Reise. Wir machten natürlich das Beste daraus. Nach nur 20 Minuten zogen wir weiter, gingen nochmals über den Markt. Wenigstens kaufte Nina ein Tuch, so dass wir nicht ganz ohne Einkäufe nach Hause kamen. Als wäre diese Transaktion ein Zeichen für den Sommer gewesen, sozusagen ein Opfer, kämpfte sich die Sonne hinter den dicken, dunklen Wolken hervor. Erst zaghaft, es wurde zumindest etwas heller. Als wir den Park erreicht hatten, in dem wir lunchen wollten, wurde es schöner. Langsam wärmten die Strahlen unsere steifen Knochen. Es war eine wahre Wohltat. Von unserem Picknick-Ort beobachteten wir, wie die Händler ihre Produkte zusammenpackten und aus dem Marktplatz wieder der altbekannte Parkplatz wurde. Bald schon war nichts mehr von den herrlichen Ständen zu sehen, während in der Stadt ganz sicher die Tische der Restaurants voller wurden.
Wir hatten jedenfalls genug erlebt. Als wir uns auf den Rückweg zum Platz begaben, gewann die Sonne endgültig die Oberhand. Es wurde der strahlendste Tag bis dahin, beinahe schon heiß. Unsere Herzen hüpften, wir badeten in der Sonne, bis wir beinahe verbrannt waren. Normalerweise mache ich das nicht, aber an diesem Tag war das egal. Mein Auberginenmouse köchelte zwei Stunden vor sich hin, der Ruccola-Salat ward gewaschen, die würzigen Tomaten vom Markt rochen meterweit. Es war einer der ersten Abendmahlzeiten, die wir draußen zu uns nehmen konnten. Ich hätte nichts dagegen, wenn es so weiterginge. Wir werden es sehen.

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