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Ein Tag der Bergdörfer.

Es gibt so viele von ihnen, bis vor wenigen Tagen dachte ich, dass wir die meisten kennen. Das ist aber nicht so, denn eigentlich lohnt fast jede dieser kleinen Siedlungen einen Besuch. Ein besonderes Juwel sollten wir an diesem Tag entdecken.
Wir begannen mit Castellet. Von Saignon aus hatten wir Tage zuvor eines dieser Bergdörfer gesehen, ich hatte damals angenommen, dass es sich um Castellet handeln könnte. Natürlich stimmte das nicht. Als wir Castellet erreichten, fanden wir ein winziges Dorf vor, das kaum aus mehr als einigen Häusern besteht. Wir parkten trotzdem und wanderten ein wenig durch die beiden Gassen. Mehrere Wanderwege führen von hier aus in die Berge, eines Tages werde ich hier auf diese Weise ein paar Tage verbringen.
Erst einmal jedoch hatten wir binnen kürzester Zeit den Ort besichtigt. Nicht einmal ein Café fanden wir, so dass wir keinen Grund sahen, weiter zu verweilen. Es war viel zu früh, um wieder zum Platz zu fahren, also beschlossen wir, noch ein weiteres Dorf zu besuchen. Das Schöne war, dass Castellet sich in den Bergen befindet. Von hier aus konnten wir ein weiteres Dorf sehen, das vielversprechender aussah. Es lag auf der anderen Seite des Tals mit der Hauptstraße Apt-Forcalquier. Da ich nur Garmin als Kartenmaterial mitführte, identifizierte ich den Ort als St. Martin de Castillon. Dort wollten wir es erneut probieren.
Manchmal denke ich, dass ich der Transe eine Menge zumute. Immerhin ist es eine wirklich alte Dame mit Keuchhusten und anständigem Übergewicht. Und alles andere als gut zu Fuß, da vollständig untermotorisiert. Man muss sich das vorstellen, jede kleine Steigung fahre ich hier im zweiten Gang hinauf. Mit vielleicht dreißig Sachen, wenn ich Glück habe. Oft bilden sich ganze Schlangen an Fahrzeugen, die nicht an uns vorbei kommen, und auch wenn ich darauf achtgebe, dass andere gefahrlos überholen können, bin ich mir doch bewusst, ein gewaltiges Hindernis zu sein. Oft ziehe ich in Parkbuchten hinein, damit andere an mir vorbeifahren können, meist muss ich nicht einmal anhalten, wenn ein halbes Dutzend Autos vorbeigefahren sind. Es ist auch etwas lustig, aber oft auch gefährlich, denn andere sind nicht mit Geduld gesegnet, um das alles etwas lockerer zu sehen. In jedem Fall musste ich wieder den Hügel hinunter, um nach kurzer Zeit wieder den anderen hinaufzufahren. Der Motor dröhnte, die enge Straße forderte meine ganze Aufmerksamkeit, so dass ich die herrliche Landschaft kaum genießen kann. Nina kann es auch nicht recht, denn man muss nicht denken, dass solch eine Fahrt nur für den Fahrer anstrengend ist.

Castellet

Saint-Martin-de-Castillon

St. Martin stellte sich als Volltreffer heraus. Ich weiß nicht, warum das kleine Dorf nicht im Rough Guide vermerkt ist. Es hat alles, was das Herz begehrt. Steinerne Häuser, die vom Alter gebeugt sind, eine uralte Kirche und eine Burg, die eher in das Dorfbild aufgeht, die man aber noch gut erkennen kann. Die Aussichten sind einfach atemberaubend, so wie bei fast jedem Ort hier. Glücklich liefen wir durch die engen Gassen, kein Tourist störte den Eindruck, den wir gewinnen durften. Wahrscheinlich drängen sie sich alle in Gourdes, das ich furchtbar finde. Zumindest aus der Nähe. Aber es ist gut, wie es ist, denn auf diese Weise bleibt uns die Einsamkeit in den kleinen unbekannten Dörfern.
Das Schöne ist auch, dass diese Orte einen nie überfordern. Bald schon kannten wir jeden Winkel, oder zumindest die meisten. Nach einigem Suchen fanden wir auch das örtliche Café und standen nun vor der Wahl: Bleiben und lunchen oder nach Saignon fahren und lunchen. Lunchen also in jedem Fall. Ich überließ Nina die Entscheidung, die nach Saignon wollte. Auf dem Rückweg kamen wir an einer Ente vorbei, die hier – zu meiner größten Freude – noch häufig anzutreffen ist. Ich rede natürlich von einer 2CV, Deux Chevaux. Ich hatte selbst vor zehn Jahren ein solches Gefährt, das viel Spaß gemacht hat. Abgesehen von der katastrophalen Sicherheitssituation ohne Polsterung, ohne Airbag oder sonstigen Schutz, es macht einfach nur Spaß, mit diesen unkaputtbaren Dingern umherzugurken.
Wieder fuhren wir den einen Hügel hinunter, um den anderen wieder emporzuächzen. Ich hatte dieses Mal vergessen, die Handbremse vollständig zu lösen. Kein Wunder, dass es so brummte. Wesentlich langsamer war ich jedoch nicht. Sehr eigenartig.
Wir lunchten bei „Chez Christine“, einem kleinen Bistro in Saignon an der Kirche. Für uns beide ist es der ideale Ort, um einfach nur zu sein. Wir genossen die Zeit bei Flan de Corgette et Aubergine, alles auf herrlich angemachtem Salat mit frischestem Baguette. So verbrachten wir den halben Nachmittag, im Müßiggang. Und das Beste: Keiner von uns fühlte sich im geringsten schuldig. Vielleicht lerne ich ja doch noch den Genuss der einfachen Vergnügen (simple pleasures). Es wäre doch wünschenswert. Auch wenn ich es mir sicher nicht oft erlauben werde.

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