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Meine erste echte Etappe mit dem Rad lag vor mir. Was sollte schon geschehen? In Berlin fahre ich nur Fahrrad, sogar bis zu unserem Grundstück in Gräbendorf, an die 45 Km, was ich problemlos in gut 3 Stunden schaffe, oft voll beladen mit Werkzeug und Farbe oder was eben anfällt. Ich hatte ausgerechnet, dass meine Etappe heute ca. 25, vielleicht 27 Km betragen würde. Also kein Grund zur Beunruhigung.

Der Tag begann auch gut, ich erwachte früh, sogar vor meinem Wecker, also vor halb acht, eine für die kalten und feuchten Umstände passable Zeit. So konnte ich ohne Hektik das Zelt relativ trocknen und in Ruhe packen. Ich weiß allerdings nicht wieso, aber das Gepäck scheint irgendwie gewachsen zu sein. Sicher, ich reise nicht gerade leicht, aber trotzdem hatte ich den Eindruck, dass alles viel voluminöser und natürlich auch schwerer war.

Dann ging es los, ohne Stress radelte ich dahin, die recht flachen Ebenen in Le Bugue entlang, dann später in Richtung St. Cirq und Les Eyzies. Unterwegs schaute ich ab und zu auf die Uhr, ich muss an die 15 Km/H schnell unterwegs gewesen sein. Piece of cake, a walk in the park, Ponyhof. Eine französische Redewendung kenne ich leider noch nicht, werde sie aber vielleicht im Nachhinein einfügen (Anmerkung ein Jahr später: Ich habe sie noch nicht gefunden – morceau de gâteau trifft es nicht wirklich). An Les Ezies rauschte ich vorbei, am schönen Campingplatz, auf dem ich vor zwei Jahren eine ganze Woche praktisch im Zelt verbracht hatte, weil es ständig geregnet hat. Eigentlich würde ich gerne bleiben, dachte ich mir, aber dann überwand ich meine Faulheit. Immerhin war ich noch keine Dreiviertelstunde unterwegs. Es war gerade halb elf.

Ich wusste, dass der vor mir stehende Abschnitt weniger leicht werden würde, weil die Straße nach St Léon sur Vézère über einen Berg führte. Tatsächlich begann die Steigung kurz nach dem Ort. Ich schaffte es, vielleicht hundert Meter zu strampeln, dann stieg ich ab. Das Gepäck drückte, während ich schob. Ich spüre es noch heute, einen Tag danach, in meinen Schultern. Immer wieder stieg ich mal auf, um einige Hundert Meter zu radeln, aber nie brachte ich es dauerhaft fertig, geschweige denn bis ganz nach oben. Den großen Teil der 3 Kilometer schob ich, schnallte irgendwann auch meinen Rucksack auf das Rad, den ich bis dahin auf dem Rücken hatte und der mir gewaltige Rückenschmerzen bescherte. Jetzt war das Rad wirklich bepackt, sicher mit an die 23 KG, schätzte ich. Davon auch die gestern erwähnten 750 Gramm Zucker. Denn während ich schob, überlegte ich, was denn schief gegangen sein könnte. Einiges kam mir in den Sinn, auch die Coté Sud, die sicher auch ein halbes Kilo wiegt. Andererseits hatte ich von einst fünf Büchern nur noch drei dabei, die anderen lasse ich immer zurück oder verschenke sie. Bald schon werde ich auf mein Ebook-Reader zurückgreifen können und gar keine Bücher mehr dabeihaben. Ich überlegte auch, dass ich Handy und Tablet demnächst zusammenlegen werde. So viele Devices, da lässt sich doch etwas sparen. Ganz sicher sogar. Die Kamera hingegen, eine DSC-WX220, werde ich behalten. Die ist mir lieb und praktisch. Außerdem macht sie ausgezeichnete Bilder.

 

Schließlich aber erreichte ich die Bergkuppe und konnte erleichtert den Berg hinuntersausen, Allerdings nicht zu schnell, das Gepäck schob nämlich gewaltig. Ich dachte, dass die größten Schwierigkeiten nun hinter mir liegen würden. Weit gefehlt, immer wieder ging es in die Höhe und auch wieder hinunter. Schon de leichtesten Steigungen schaffte ich nicht mehr, weil meine Beine nicht mehr mitmachen wollten. Ich dachte an Berlin und daran, dass ich es dort immer so einfach gehabt hatte und dass ich vollkommen unvorbereitet auf bergiges Terrain bin. Letztlich rollte ich irgendwann vollkommen erschöpft in St. Léon ein. Als ich auf die Uhr sah, war ich erstaunt. Gerade einmal kurz nach Zwölf war es, also noch Vormittag. Ich baute das Zelt auf, dass ich vor gerade einmal drei Stunden abgebaut hatte. Nach einer ausgiebigen Mittagsruhe fuhr ich gar noch bis Montignac, um dort einzukaufen. Immerhin sicher nochmal 14 Km. Durch den kleinen entzückenden Ort St. Léon, ein plus beau village, spazierte ich danach mehrmals. Er ist winzig, aber sehenswert.

So also habe ich meine erste Etappe geschafft, die nun Gradmesser ist. Keine 40 Km pro Tag, höchstens 30. Jeder Anfang ist schwer. Aber es wird mit der Zeit immer leichter. Darauf hoff ich.

 

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