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21.5. Nantes – Vannes

So schnell vergeht ein Tag.
Nach einem Migräne-Anfall im Zug war ich froh, mein neues Zelt rasch auf dem Campingplatz in Vannes aufschlagen zu können. Es war eine Herausforderung, es mit zerspringendem Schädel zu tun, zumal es das erste Mal war. Es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis ich alle Schnüre entheddert hatte. Die Voltaren-Tablette wollte auch nicht sofort wirken. Endlich jedoch konnte ich mich hinlegen und so den größten Ansturm überwinden.
Erst gegen Nachmittag begann ich überhaupt damit zu realisieren, dass ich endlich in der Bretagne angekommen war. Das Gefühl von grenzenloser Freiheit von Zeit und Raum, das oft erst nach Wochen auf Reisen auftaucht, setzte sofort ein. Die Sonne schien, ein Wind erfrischte alles, das Meer, in diesem Fall der Golf von Morbihan, war sofort zu riechen. Und ich mittendrin. Ich weiß nicht, warum ich das verdient habe, so viel sehen und erleben zu dürfen. Aber es ist mir einmal mehr bewusst geworden, was für ein Geschenk dieses Leben, das ich führe, ist. Ich kann es unabhängig, konzessionslos und, vor allem, frei genießen.
Dieser erste Tag auf Reisen war jedoch weitgehend dadurch bestimmt, alles Notwendige zu besorgen, das ich brauchen könnte. Ich dachte, das wäre kein Problem, war aber doch. Denn der recht große SuperU um die Ecke hatte keine Gaskartuschen. Eigentlich eine Kleinigkeit, muss ich doch eigentlich nicht unbedingt kochen. Käse, Wurst, Baguette und Wein gibt es hier in bester Qualität en masse. Dass ich dennoch nochmals auf die Suche gehen musste, lag daran, dass ich es mir beim besten Willen nicht vorstellen konnte, am nächsten Morgen kalten Kaffee trinken zu müssen. So also lief ich am Golf von Morbihan entlang in Richtung Vannes. Ein wirklich lohnender Spaziergang. Alles wirkte so friedlich, die Menschen waren entspannt und auch nicht sehr zahlreich unterwegs. Vannes sah ich mir nur kurz an. Die Stadt ist beeindruckend. Mittelalterlich und trotzdem ohne das häufig anzufindende Museumsgefühl, das aus etwas Lebendigem etwas anderes macht, das zwar nicht tot ist, doch durch seine Unnahbarkeit auch nicht mehr wirklich lebt. Die Rothenburgs und die Carcassonnes lassen grüßen.

Vannes

Die zahlreichen Fachwerkhäuser ächzen unter dem Gewicht des Alters, aber das gibt dem Ort seinen Charme. Das Schöne daran ist, dass sie alle bunt sind. Besonders das Holz ist oft in strahlenden Farben gehalten, so dass sich das Auge nicht langweilt.
Recht bewusst sah ich mir den Ort nicht zu intensiv an. Schließlich wollte ich Vannes erst am nächsten Tag besichtigen. Trotzdem freute ich mich über die vielen ersten Eindrücke. So blieb ich gespannt und hungrig auch mehr. Im Grunde endete mein Tag in einem schnöden Einkaufszentrum. Gigantesque.
Diese unendlich weiten Hallen des Kommerzes überfordern mich immer noch. Trotzdem bin ich davon fasziniert. Was es alles zu kaufen gibt. Unglaublich. Dabei war ich nur wegen einer kleinen Gaskartusche hier. Die fand ich sofort. Marmelade kaufte ich auch noch, diese Geschichte geht allerdings erst in den nächsten Tagen weiter. Aber das muss man erst einmal schaffen, aus einem Hypermaché mit zwei Artikeln zu einem Gesamtwert von unter 5,00 € herauszukommen. Mir war es egal. Was man nicht alles führ einen heißen Kaffee unternimmt. Der Abend wurde dann wirklich kalt. Mein neuer Daumenschlafsack leistete beste Dienste. Der Wind, tagsüber noch angenehm, zerte jetzt ziemlich an dem neuen Zelt. Ich kann mich nicht beschweren. Ich bin in der Bretagne.
Da geht es nicht um schlechtes Wetter.
Zumindest nicht immer.

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