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Auf dem einfachen Campingplatz in Quimper hielt es mich nicht mehr lange. Zwar kostet er nur einen Fünfer, aber der Komfort ist praktisch nicht existent. Im Grunde unwichtig. Um ehrlich zu sein, wollte ich weiter. Nachdem ich gestern bereits zu viel von der Stadt gehabt hatte, sah ich keinen Grund, meinen Aufenthalt zu verlängern.
Zur Abwechslung stellte ich mir den Wecker. Da es nicht sehr feucht war, konnte ich das Zelt schnell einpacken. Mit dem Effekt, viel zu früh in der Stadt zu sein. Da stand ich nun, erst am Place de Resistance, dann am Gare Routière, weil ich mir nicht sicher war, ab oder Bus am Place de Resistance halten würde. Oder wenn, wo genau. Es machte ohnehin kaum einen Unterschied. Ich hatte ja Zeit. Viel zu viel davon.
Die Fahrt an sich war nur kurz. 45 Minuten später kam ich in Concarneau an. Wahrscheinlich hätte ich einen Tagesausflug hierher machen können. Aber egal.
Ich muss hier mal eine Lanze für die französischen Touristeninformationen brechen. Sie sind überall präsent, geben präzise und kompetente Auskünfte. Und verzeihen mir die diversen Fehler, die ich im Französischen mache. Das muss man den Mitarbeitern wirklich hoch anrechnen, denn es ist bestimmt nicht einfach. In jedem Fall saß ich kurz darauf im richtigen Bus, 10 Minuten später stand ich auf dem Campingplatz Moulin und baute das Zelt auf. Es war kaum 11 Uhr, der Tag also noch jung. Ich nutzte die Zeit, um mir Zeit zu lassen. Concarneau ist ein winziger Ort, den wollte ich nicht gleich abhaken. Stattdessen ging ich erst einmal Proviant einkaufen. Ich bin jetzt dazu übergegangen, nicht mehr die billigsten Konserven zu kaufen. Sondern die teureren. Es schmeckt besser, auch wenn sicher der gleiche Mist enthalten ist. Aber mein Kocher ist derartig schwach, dass an ein Kochen, das diesen Namen verdient, nicht zu denken ist. Wahrscheinlich werde ich ihn ersetzen. Aber letztlich scheitere ich auch an den dünnen, zerbeulten Alu-Töpfen. Braten geht nicht, weil alles anbrennt und kleben bleibt. Nun, es geht auch so.
Erst gegen Nachmittag lief ich zur Barkasse, die mich zur Ville Clos übersetzen sollte. Sehr praktisch. Meine erste Schifffahrt. Sie dauerte vielleicht zwei Minuten.
Ich war nicht darauf vorbereitet, was mich erwartete. Weil ich sofort nach der Ankunft beschloss, erst einmal die beeindruckenden Mauern der befestigten Stadt zu erklimmen, um den Ort zur Hälfte zu umrunden, zögerte ich den Schock hinaus. Ich glaube, die Anlage um die Altstadt herum stammt von Vauban, dessen militärische Anlagen mich bereits letztes Jahr bei Prade bewundern durfte (Anmerkung: Es war Villefranche-de-Conflent).

Concarneau

Die Mauer ist jedenfalls bestens erhalten. Magnefique.
Ein bisschen schockierend hingegen ist der Ort selber. Was eine atmosphärische Altstadt samt historischen Gebäuden sein könnte, erinnerte mich an einen Rummelplatz à la Disney World. Billige Touristengeschäfte reihen sich aneinander, Eiscremeläden, Creperien, Klamotten. Es war schon fast komisch. Wie auch in Carcassonne, an das mich die Ville Clos erinnerte, hörte ich fast nur englisch. Und deutsch. Zum Schämen. Ganz ehrlich, ich machte, dass ich davonkam.
Im Ernst, ich lief zwei Mal durch die Hauptgasse. Besser: Ich ließ mich schieben. So viel Auflauf war ich gar nicht mehr gewohnt. Mir war das alles zu viel. Es ist ein bisschen schade, was aus diesen historischen Juwelen gemacht wird. Aber ich habe Verständnis dafür. Denn es wird gemacht, was Touristen gefällt.
Nach einer ausgiebigen Kaffeepause in der Neustadt, in der ich die Ereignisse des Vortags festhielt, machte ich mich auf den Rückweg, um mir die zweite Hauptindustrie des Ortes anzusehen. Die Fischerei. Man mag es kaum glauben, aber in Concarneau existiert ein gewaltiger Fischereihafen. Gigantesque. Vraiment.
Allerdings sah ich kaum große Fischerboote. Vielleicht sind sie schon wieder auf See. Oder immer noch. In jedem Fall konnte ich einen Blick in die riesigen Hallen werfen, in denen der Fisch verarbeitet wird. Oder verkauft. Oder beides. Viel sah ich nicht, nur einige Kisten aus Styropor.
So spazierte ich den Hafen entlang, befand mich also bereits auf dem Heimweg. Ich wusste, dass ich mit der Stadt eigentlich fertig war. Ich überlegte ausgiebig, wie lange mein Aufenthalt hier dauern sollte. Noch schwankte ich zwischen zwei und vier Tagen. Aber das werden wir noch sehen.
Jedenfalls geschah nicht mehr viel. Das Wetter schlug um, es wurde kälter, was ich spüren konnte. Nicht gerade das, was ich mir als Camper wünschte. Aber das ist das Letzte, worauf ich Einfluss hatte.
Leider.

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