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Reisetag.

Mit etwas Wehmut verabschiedete ich mich aus Sallignac. Es ist ein wundervoller Ort, genau nach meinem Geschmack und das Richtige an diesem Punkt der Reise. Es ist eine Gegend, die ich vielleicht auch hätte länger besuchen können. Aber ich wollte los.

Trotz des wolkenverhangenen Himmels war es relativ trocken. Das Zelt war zwar nicht ganz trocken, als ich es einpackte, aber weniger nass als sonst, wo der nahe Fluss wahrscheinlich großen Einfluss auf die Qualität des Morgentaus hat. Ich beeilte mich nicht gerade, war aber dennoch vor zehn Uhr abfahrbereit. Es sollten nur ca. 18 Kilometer werden, kein Drama, zumal es meistens bergab gehen sollte. Nach nur 20 Minuten kam ich an die erste Kreuzung, wo ich mich beinahe verfuhr. Warum packe ich den Plan immer ganz nach unten? Jedenfalls bemerkte ich den Fehler nach nur 50 Metern. So etwas kann ernste Folgen haben und die Fahrzeit vervielfältigen. Also lieber einmal mehr nachsehen, dachte ich mir.

Ich kam dann durch ein Dorf, das so ursprünglich war, dass ich anhielt, um zu fotografieren (nach Recherche muss es zu Sallignac gehören, einen Namen habe ich nicht herausfinden können). So müssen alle der plus beaux villages hier einmal ausgesehen haben. Die Kirche l’église Saint-Rémy d’Eyvigues brauchte sich nicht zu verstecken, mit ihrem wuchtigen Turm und den dunklen Steinen beherrschte sie den Eingang des Dorfes. Ebenso wie ein prächtiger Bauernhof, große Gebäude aus Naturstein, die windschief der Zeit trotzen. Das wahre Juwel aber kam erst später: Ein alter Herrenhof mit Kapelle oder Kirche, samt Stallungen wahrscheinlich für Pferde. Dieser verlassene, aber nicht verfallene Hof lag einsam im Tal, kein Mensch war zu sehen. Wem der wohl gehört?

Ab diesem Zeitpunkt ging es nur noch bergab. Ein Schild, das auf eine Umleitung hinwies, ignorierte ich. Also rollte ich gemütlich dahin, kam an eine Kreuzung. Das Schild besagte, dass es nur noch 8Kilometer sein sollten. Zwar hatte ich durch das ständige Anhalten und fotografieren Zeit verloren, aber das konnte ich verschmerzen. Allerdings stellte sich heraus, dass die Straße vor mir gesperrt war. Komplett. Ein Auto nach dem anderen wendete. Ich aber sah Sterne. Sollte ich etwa den Hügel wieder hinauf? Tatsächlich traf ich auf Straßenbarrikaden, an denen ich allerdings vorbei schlüpfen konnte. In Hundert Metern Entfernung arbeiteten Bauarbeiter an der Verbreiterung der Straße, und zwar mit Baggern und LKWs. Ich näherte mich, hielt aber Abstand. Keine Ahnung, wie ich dort vorbeikommen sollte. Plötzlich hob einer der Arbeiter eine Hand, der Baggerfahrer machte eine kurze Pause, so dass mich der Bauarbeiter einfach durchwinken konnte. Ich hätte ihn umarmen können. Wage nicht, ein unwichtiges Dokument, das vorher nicht einmal erwähnt wurde, bei einer Behörde zu vergessen. Aber Straßen öffnen sie Radfahrern problemlos, wenn Autofahrer kilometerweite Umwege fahren müssen. Ich liebte es.

Danach war es nur noch ein Katzensprung bis Souillac. Ich checkte auf dem Campingplatz ein, der voller war als erwartet. Leider bekam ich einen schattenlosen Platz. Ich hasse so etwas, denn nun brannte die Sonne unerlässlich. Ich nutzte die Zeit, um endlich wieder zu waschen. Ich habe nur wenig Kleidung mit, so dass das oft notwendig ist. Danach machte ich einen Spaziergang in die Stadt. Souillac ist nicht aufregend, hat aber ein romanisches Kloster, das dem in Périgeux in nichts nachsteht. Soweit ich mich erinnern kann zumindest, denn es ist 20 Jahre her, seit ich dort war. Damals war das eher zum Ende einer Reise und Périgeux hat mich nicht so recht interessieren wollen. Aber das ist lange her.

Souillac überforderte mich also nicht. Sehr schön. In aller Ruhe ging ich einkaufen und ließ den Tag ausklingen.

 

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