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Was für eine Nacht. Der Campingplatz liegt wundervoll, direkt an der Dordogne. Was sich die Betreiber allerdings denken, den Sanitärbereich derartig zu beleuchten, dass der ganze Platz taghell erscheint, ist mir ein Rätsel. Ich bekam kaum ein Auge zu. Meine innere Ruhe war in jedem Fall durch diese elektrische Zumutung gestört. Gerädert erwachte ich und wusste, dass ich nicht hierbleiben würde. Also packte ich zusammen und war um halb zehn abfahrbereit.
Weit wollte ich nicht, in den Nachbarort, Croze, zum Campingplatz, den ich mir eigentlich ausgesucht hatte. Den erreichte ich nach einer lässigen halben Stunde, in der ich noch beim örtlichen Fahrradhändler anhielt, um ihm mein Rad anzubieten. Der aber hatte kein Interesse. Zu wenig geländetauglich und für diese Gegend zu einfach. Er wunderte sich darüber, dass ich überhaupt soweit damit gekommen bin. Er vermietet meist E-Räder, weil den meisten Kunden die Steigungen zu schwer erscheinen. Dem konnte ich ohne Einwand zustimmen. Wenigstens sagt es mal einer: Es liegt nicht nur an mir, dass ich so oft schieben muss.

Gegen zehn erreichte ich den anderen Platz, der nicht so malerisch liegt, wie der davor. Dafür gibt es Schatten und kaum Laternen. Das hat etwas für sich. Ich musste meine letzte Waschung vornehmen, nur ein paar Hemden. Da plötzlich die Sonne unablässig schien, nutzte ich also die Gelegenheit.
Was danach kam, kann ich kaum beschreiben, weil es kaum etwas zu berichten gibt. Ich fuhr fast die ganze Strecke zum anderen Campingplatz zurück, weil ich einkaufen gehen wollte. Das hatte schon etwas Belustigendes, weil es kaum zehn Minuten dauerte, bis ich wieder am Ausgangspunkt der Fahrt war. Das habe ich noch nie so gemacht. Danach ging ich endlich mein Ticket nach Bordeaux kaufen. Das alles war kein Problem, kein Streik am Donnerstag, alles planmäßig. Alles viel zu einfach. Mal sehen, ob mich noch eine Überraschung erwartet.
Das hieß aber auch, dass Morgen der definitiv letzte Tag meiner Reise ist. Es ist jetzt doch ein eigenartiges Gefühl. Ich war lange unterwegs, sehr lange, so dass ich mich kaum an den Beginn erinnern kann.

Heute jedenfalls geschah nicht mehr viel. Ich weiß auch nicht darum. Aber als ich endlich mit allen Kleinigkeiten, die zu erledigen waren, fertig war, war es bereits früher Nachmittag. Ich radelte noch etwas am Kanal entlang, der eigentlich einzigen Attraktion hier in Lalinde. Dann langweilte mich das aber. In Tempelhof haben wir so viele Kanäle. Warum schaute ich mir den hier an, der doch nicht mehr benutzt wird und langsam versandet. Schleusen sind auch nicht gerade spannend, in Brandenburg gibt es so viele. Aber ich möchte das hier nicht zerreden. Mir jedenfalls fehlte das Interesse. In Croze erkundete ich noch die alten Gebäude, schaute mir die Papierfabrik von außen an, die jetzt ein Museum ist. Da war es aber schon früher Abend. Der Tag war noch immer unglaublich heiß. Ich schaute mir also ein bisschen Fußball an, das mich aber kaum vom Hocker riss. Ich weiß kaum noch, wer spielte. Jedenfalls konnte ich nebenbei schreiben, sitzenderweise. Meinem Hexenschuss, der nur allzu langsam abklingt, tat das auch gut. Und das war es dann eigentlich auch schon. Gemächlich ist der Tag vergangen, ohne dass ich es mitbekommen habe. Am Ende behielt ich ein etwas schales Gefühl, das mich manchmal auf den Kykladen beschleicht, wenn ich mal wieder nur in einem Café gesessen habe. Dann erinnerte ich mich, dass es genau der Grund ist, weshalb ich auf die Kykladen fahre, mich zwingen, nichts zu tun. Dolce far niente. Und so war es letztlich heute auch.

 

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