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Und wieder ein Reisetag.
Die Bretagne ist groß, daher ist ein häufiger Ortswechsel notwendig. Eigentlich war es nicht weit, von Douarnenez nach Camaret-sur-Mer. Trotzdem sollte die Reise viele Stunden dauern. Ich war darauf vorbereitet. Dann erst musste ich mit dem Bus zurück nach Quimper, dann mit einem anderen nach Camaret. Die Anbindungen sind unregelmäßig und selten, eine direkte Verbindungen leider nicht existent. So nahm ich also den Bus um 10 Uhr dreißig Uhr und hatte nach Ankunft in Quimper vier Stunden Zeit. Mir macht das nichts aus. Mein Gepäck ist nicht allzu schwer, so dass ich relativ beweglich damit bin. Ich habe es während meinen Reisen gelernt, jede Sekunde zu nutzen. Wer also eine solche Wartezeit als verloren betrachtet, macht etwas falsch. Ich jedenfalls trank auf dem Platz vor der Kathedrale einen Kaffee und schrieb. Ziemlich ausgiebig übrigens. Wahrscheinlich zum Ärger des Kellners, der ab einem gewissen Punkt meinen Tisch gerne an speisende Gäste vergeben hätte. Aber so war es nun einmal. Ich lasse mich nicht mehr so leicht vertreiben. Schon gar nicht, wenn ich zu tun habe. Im Ernst, das Café war nicht besonders voll, so dass ich nicht einsah, warum ich rasch gehen sollte.
So waren die ersten beiden Stunden um, ohne dass ich sie bemerkt hatte. Dann war es an der Zeit, selbst für Mittagessen zu sorgen, was nicht immer ganz leicht ist. Also suchte ich nach dem perfekten Sandwich, dass ich nicht fand. Also kaufte ich irgendwann ein anderes. Das ging. Als ich danach zum Gare Routière kam, wählte sich mein Tablet automatisch ins Internet. Eine Mail von Nina teilte mir mit, dass das Finanzamt geschrieben hatte. So also verbrachte ich den Rest der Wartezeit damit, alles zu recherchieren, was es eben in solchen Angelegenheiten zu recherchieren gibt. Ich schaffte alles rechtzeitig. Keine Sekunde Langeweile. Im Gegenteil, es war am Ende sogar ein bisschen stressig.

Camaret-sur-Mer

Die Fahrt aber genoss ich. Es ist schön, anderthalb Stunden durch die bretonische Landschaft gegondelt zu werden. Zumal noch gratis, da eine Anschlussfahrt in der Bretagne immer im Ticket inbegriffen ist. Ich wusste gar nicht, dass ich mich noch mehr entspannen konnte, als ohnehin schon. Aber ich hatte das Gefühl, noch tiefer in mich selbst zu sinken. Noch nie war ich mir so sicher, am richtigen Ort zu sein, ein seltenes Gefühl, das sicher so manch anderer Reisender kennt. Weil es besonders intensiv ist.
Da Camaret ein ziemlich kleiner hübscher Hafenort ist, lag bei Ankunft auch die Touristeninformation nicht weit. Hier bekam ich den üblichen Stadtplan samt Wegbeschreibung zum Camping Municipal. Ein Service. Mal wieder.
Eine halbe Stunde später stand das Zelt und ich war wieder unterwegs, um Vorräte zu ergänzen. Eine tägliche Aufgabe.
Camaret erinnerte mich dabei an das cornische St Yves, das ist ja nur auf der anderen Seite des Kanals liegt. Viele Ateliers und Ausstellungen sah hier. Ich frage mich, wer so viel Kunst kauft. Der Ort schien nicht gerade überfüllt. Aber das kann im Juli bzw. August natürlich anders aussehen. Ich bin froh, dass ich jetzt da bin. Auch weil ich die Zeit im Sommer in Berlin liebe. Dann sind nämlich die Berliner fort. Und ich da. So gefällt mir das. Und so sind auch Berliner zu ertragen.
Ich war merkwürdig erschöpft am Ende des Tages. Samstag oder Sonntag werde ich wohl einmal etwas kürzertreten. Wahrscheinlich Sonntag. Das ist schließlich der siebente Tag der Woche. Religion muss man sich zunutze machen, wenn sie passt. Wenn nicht, hilft ignorieren. Das machen die anderen auch nicht anders. Vor allem die Fanatiker.

nochmal Quimper

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