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Und wieder ein Reisetag. Dieses Mal sah ich nicht ein, warum ich früh aufstehen sollte. Natürlich tat ich es trotzdem, wenn auch nicht so extrem früh wie vor einigen Tagen. Allerdings war ich um sieben Uhr wach. Die richtige Zeit also. Das Packen ging eigentlich schnell. Wenn ich nicht jedes Mal dafür sorgen müsste, dass das Zelt trocken in den Beutel kommt, wäre es nur eine Frage von einigen Minuten. So etwas dauert leider. Da auch der Wind praktisch vollkommen zum Stillstand gekommen war, ein Umstand, den ich wirklich begrüßte, trockneten die Planen nicht so schnell. Das Material ist zum Glück extrem wasserabweisend. So schaffte ich es auch heute, das Zelt trocken zu verstauen.
Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dieser Seesack immer schwerer wird. Vielleicht lag es auch daran, dass ich wusste, wie weit ich ihn heute tragen musste. Aber dazu später.
Der Bus kam pünktlich, zog eine Dreiviertelstunde später im Gare Routière in Brest ein, meine neue Zentrale. Ich werde nicht das letzte Mal hier sein. Dieses Mal freue ich mich sogar, weil ich eine Stunde Aufenthalt hatte. So konnte ich in Ruhe einen Espresso trinken. Und durch Design-Hefte blättern. Immer wieder eine Freude. Bevor ich endgültig nach Berlin zurückkehre, kaufe ich noch einen Stapel. Aber wirklich erst kurz vor dem Abflug. Sonst wird es zu schwer.
Um 11 Uhr ging mein Bus in Richtung Plouguerneau. Keine Ahnung, warum ich unbedingt hierher wollte. Wahrscheinlich habe ich von der Küste noch nicht genug.

Ich hatte mich gut vorbereitet. Da ich wusste, dass der Campingplatz in der „Wildnis“ liegt, musste ich für zwei Tage einkaufen, und zwar bevor ich mich von Plouguerneau dorthin auf den Weg machte. Logisch eigentlich. Das vergrößerte aber auch die Last, die ich zu tragen hatte. Öl, Wein, Konserven, Zeug eben, all das wiegt nicht gerade leicht. Unter diesen Umständen sind vier Kilometer eine echte Herausforderung. Finde ich zumindest. Mein Rücken sollte es auch nicht so schnell verzeihen. Vielleicht lag das auch an der fehlenden Fitness. Zumindest für den Rücken mache ich gut helfende Übungen. Aber nur zu Hause, weil ich dort Platz habe, der sonst fehlt.

Phare de l’Île Vierge

Völlig fertig erreichte ich Camping la Grève Blanche, ein einfacher Platz direkt am Meer. Er ist schön gelegen. Von hieraus hatte ich Sicht auf einen gewaltigen Leuchtturm, den Phare de l’Île Vierge, mit 82 Metern der höchste in Europa. Ein gewaltiger Phallus in der Landschaft.
Ich ruhte mich aus, machte aber gegen 16 Uhr noch einen Spaziergang über die Strände hin zu einigen interessanten Felsformationen. Wie sich herausstellte, war die Gegend schon in frühester Vorzeit bewohnt. Viel ist nicht zu sehen, eigentlich gar nichts. Aber ich kann es mir vorstellen. Es ist ein markanter Punkt, der Menschen sicher schon immer angezogen hat. Und immer noch anzieht. Mich ja auch, wie man sieht.
Mehr schaffe ich nicht. Es begann irgendwann, leicht zu nieseln. Mir war es sogar recht. Manchmal erlebt man eben nicht so viel. Auch gefällt es mir hier nicht so gut, keine Ahnung wieso. Die Küste ist hier eher sanft, die steilen Felsformationen fehlen. Natürlich ist es angenehm und interessant. Vielleicht fordert meine Wahrnehmung aber bereits Abwechslung. Es ist wie immer. Kaum habe ich etwas gefunden, dass mir gefällt, verlangt mein Geist bereits nach Neuem. Es ist schrecklich. Aber nicht zu ändern. Lange bleibe ich nicht mehr in Finistère. Nur noch morgen.
Dann beginnt das letzte Drittel der Reise.

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