kreativ-reise.de

Das Zelt war klitschnass.
Und zwar nicht von außen. So schwer hing der Tau daran, dass auch das Innenzelt bei der geringsten Bewegung nass wurde, weil es sofort stoisch am Außenzelt klebte. So eine Feuchtigkeit habe ich lange nicht erlebt. Dabei war es eine sternenklare Nacht gewesen, die um noch vor 6 Uhr für mich beendet gewesen war. Sein musste, weil ein Bus um 7:40 Uhr fuhr, der nächste allerdings erst um 12 Uhr. Ich bin kein Freund von späten Tagesanfängen. Sie sind Zeitverschwendung. Allerdings schaffte ich es nicht, das Zelt rechtzeitig zu trocknen. Ich hängte es in den Duschräumen auf, wischte die Planen ab, was auch etwas half. Aber nicht genug. Langsam lief mir die Zeit davon, also rollte ich es, noch immer eher nass als feucht, zusammen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil ich vielleicht drauf und dran war, das 400-Euro-Zelt zu zerstören.
Der Bus kam pünktlich und brachte mich von hier fort. Ich weiß nicht, ob ich der Gegend hier bei Plouguerneaueine echte Chance gegeben habe. Jetzt jedoch zählten Gedanken wie diese nicht mehr. Mein Blick richtete sich nach vorne. Brest sollte das dritte Mal meine Zwischenstation werden. Allerdings hielt ich mich nur eine Viertelstunde hier auf, bevor ich endgültig abfuhr. Der TGV in Richtung Paris stand bereits da, ich musste nur einsteigen. Leider gibt es keine direkte Verbindung nach Lannion, mein nächstes Reiseziel. Also dauerte die Fahrt recht lang, weil ich auf einem winzigen Bahnhof irgendwo in der Provinz anderthalb Stunden auf den Anschlusszug warten musste. Da ich eine Steckdose fand, konnte ich wenigstens diverse technische Geräte aufladen. Unglaublich, was ich alles dabei habe. Dabei ging mein Handy ja schon verloren. Ein weiterer Stromfresser.
Endlich erreichte ich Lannion, dass eher als Zwischenziel denn als echte Reisedestination gedacht war. Der Campingplatz war leicht zu erlaufen, lange hielt ich mich unterdes nicht hierauf. Die Stadt verdiente eine kleine Tour. Es war herrlich, wieder einmal etwas zivilisatorischer unterwegs zu sein. Dabei liegt die letzte Stadt, Douarnenez, gar nicht lange zurück. Lannion ist allerdings lieblicher als die alte Hafenstadt . Schöne alte Häuser geben ihr ein einladendes Flair, das sicher auch durch das liebliche Wetter begünstigt wurde. Besonders die windschiefen Fachwerkhäuser inmitten der Altstadt erfreuten mich. Es ist ein Wunder, dass sie noch stehen, so sehr neigen sie sich. Der Platz, auf dem sie stehen, gefiel mir ebenfalls. Groß und luftig, dazu einige Cafés.

Lannion

Es ist nicht besonders groß, das Zentrum Lannions. Dafür aber ziemlich hügelig. Ich sah mir eine Galerie an, entdeckte auch Bilder, die mir gefallen würden. Die ich sogar aufhängen würde. Aber es ist einfach zu teuer. Natürlich sind die Preise berechtigt, Material, Stunden an Arbeit, auch der Einfallsreichtum der Künstler, das alles gibt es nicht gratis, wie ich selbst weiß. Trotzdem nahm ich eine Visitenkarte der Galerie mit, auch wenn ich ahne, dass ich niemals Kunst kaufen werde.
Auch eine Fotoausstellung sah ich mir an. Den Künstler und sein Werk verstand ich allerdings nicht. So geht es manchmal. Für den einen ist Kunst eines Künstlers oberflächlich und nichtssagend, für den anderen dagegen tiefgründig und aufregend. Manchmal, meiner Erfahrung nach, kommt es auch auf die Lebensepoche, in der wir uns befinden, an. Nicht in jedem Alter sind die Gedanken, die uns beschäftigen, dieselben. Das wäre auch langweilig.
Am Ende meines Besuches nervte ich die Dame in der Touristeninformation ein wenig. Alles, was ich wollte, waren Busfahrzeiten. Und Informationen zu Haltestellen. Es war schwierig und ich merkte, dass sie keine Lust hatte, wirklich zu helfen. So schöne Augen, so ein knackiger Hintern. Und so eine miese Einstellung. Ich mochte sie. Wäre ich nicht verheiratet, hätte ich sie auf ein Gläschen eingeladen.
Den Sonntag werde ich morgen in Ruhe hier verbringen. Noch habe ich einige Sehenswürdigkeiten, die ich mir ansehen möchte, zur Auswahl. Montag fahre ich wieder an die Küste. Dann beginnt wirklich der letzte Abschnitt der Reise. Unglaublich, wie schnell das alles geht.

Menü schließen