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Mein letzter Tag an der Côte de Granit Rose. Und auch der Tag, an dem der definitiv letzte Abschnitt der Reise beginnt. Auch wenn ich noch ein paar Tage vor mir habe, liegt doch der größte Teil bereits hinter mir. Die großen Höhepunkte habe ich erlebt, im Allgemeinen gilt der letzte Abschnitt eher immer dem Verstehen und dem langsam „Aufsichwirkenlassen“. Auf dieser Reise kommt dann noch die Nostalgie dazu, denn ich stoße ab morgen in Gefilde vor, die ich bestens kenne. Neues und Altes, in guter Mischung, mehr von dem einen, als von dem anderen.
Aber dieser Tag galt noch einmal Trégastel. Vielleicht um Abschied zu nehmen. Nach den etwas anstrengenden Tagen zuvor war das Programm heute leichter. Zumindest ein bisschen. Ich hatte mir die Besichtigung von Trégastel Bourg vorgenommen, das eigentliche Dorf, ca 2 km vom Hafen entfernt. Es war nicht schwer zu finden, im Grunde immer den Hügel hoch. Hierher verirrte sich kein Tourist. Vielleicht auch, weil das Dorf nicht viel hermacht. Muss es auch nicht. Zumindest besteht es aus einigen sehenswerten alten steinernen Häusern. Aber auch die Moderne hat längst Einzug gehalten, wie die vielen Einfamilienhäuser beweisen, die dem Ort ein wenig von der Atmosphäre rauben. Die wuchtige erodierte Kirche ist sehenswert. In Teilen erinnert sie eher an eine Festung, was zu Zeiten sicher nützlich gewesen ist. Leider war sie geschlossen.

Trégastel Bourg

In einiger Entfernung steht ein Kreuzhügel, für die Bretagne typisch. Hier allerdings ist es ein ziemlich albernes Gebilde aus dem 19. Jahrhundert. Ein kitschiger künstlicher Felsen mit einem langgestreckten Kreuz darauf.
Im Grunde war es das schon. Vielleicht hätte ich noch den einen oder anderen Hinkelstein oder das ein oder andere Hünengrab ansehen können, die es in der Gegend noch gibt. Ich muss gestehen, dass ich keine Lust mehr hatte. Stattdessen lief ich den Hügel wieder hinunter in Richtung Meer. Ich glaube, ich habe die Gegend in Trégastel noch nie bei Flut gesehen. Das ist schon komisch. Auch war es an diesem Tag wesentlich kühler. Am Morgen hatte es sogar geregnet, auch jetzt war der Himmel noch wolkenverhangen. Trotzdem suchte ich einen Picknicktisch am Meer auf. Denn zu kalt war es nicht. Hier genoss ich die Stille und die Einsamkeit. Fast niemand findet den Weg hierher.
Es war wirklich ein schöner und lohnender Ausflug zu diesem Teil der Küste. Zum Glück habe ich mich nicht dagegen entschieden. Ich war einmal kurz davor. Aber das ist nun vergessen.
Viel hatte ich nicht mehr vor an diesem Tag. Ich wollte zum Forum oder zumindest in die Nähe desselben. Ich fand es nicht sofort, trotz des Stadtplans. Dabei entdeckte ich eher zufällig den beeindruckenden Felsen Couronne du Roi Gradlon. Es ist in jedem Fall ein fantastischer Ausblick von dort. Manchmal muss man ungewohnte Umwege in Kauf nehmen, um zu erreichen, was man eigentlich möchte. In jedem Fall war es von dort kein Problem, die Promenade am Forum de Trégastel zu finden. Und ein nettes Café mit Meeresblick. So etwas brauchte ich gerade. Im Grunde war ich deshalb hier. Und ich tat etwas, dass ich recht selten auf dieser Reise getan habe. Ich chillte für eine Stunde oder zwei. Natürlich schrieb ich auch. Aber das gehört zum Chillen. Ich beobachtete die Menschen, die an mir vorbeispazierten, hörte ihren Gesprächsfetzen zu. Meine Güte, wie lange ich keine Unterhaltung gehabt habe. Das Komische daran ist, dass ich es nicht einmal vermisse. Oft habe ich keine Lust darauf. Sonst würde ich auf Reisen mehr Gesellschaft suchen. Ich jedoch tue das genaue Gegenteil. So ist es eben.
Auf dem Rückweg verlief ich mich mal wieder. Was dazu führte, dass ich mich an der Küste wiederfand. So sollte es wohl sein, dass ich nochmals den GR34 entlanglief. es war ein Umweg, aber immer wieder ein gern gesehener. Die Landschaft ist so grandios, dass man sie nicht oft genug betrachten kann.
Es war schon 18 Uhr, als ich endlich auf dem Platz eintraf. Ich merke so etwas gar nicht mehr, weil ich keine Uhr mehr habe. Mein Handy ist verloren, meine Armbanduhr stehen geblieben. Praktisch. Manchmal. Auch ist es hier so lange hell, bis ca 23 Uhr, dass ich mich auch daran kaum orientieren kann. Der längste Tag des Jahres steht bevor.
Eines noch.
Ich musste in der Nacht nach draußen. Selten habe ich einen solch klaren Sternenhimmel gesehen. Knackig und strahlend, voll leuchtender Punkte. Grandios.
Ich habe diesen Text übrigens nach einem Migräneanfall geschrieben. So etwas wirkt sich immer auf meine Worte aus. Trotzdem wollte ich nicht auf das Schreiben verzichten.

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