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Sonnenschein ohne Pause. Auch nicht so oft hier. Heute aber schon.
Es war einer dieser Tage, an dem es mich förmlich nach draußen drängte. Genug zu tun gab es, allemal. Trotzdem hatte ich erst einmal zu tun. Waschen. Muss manchmal sein. Auf dieser Reise öfter, weil ich auf allzu viel Kleidung verzichtet habe, was ziemlich gut geht. Ich verzichte also auf ein Übermaß an Eitelkeit, ohne mich gehen zu lassen.
Als ich schließlich in der Stadt Erquy ankam, merkte ich, dass Markttag war. Eine ziemlich große Angelegenheit. Dutzende Buden und ein heilloses Durcheinander. So muss es sein. Man merkt aber auch, dass die Saison kurz bevorstand. Es ist voller geworden. Überall übrigens, auf den Campingplätzen und auch in den Innenstädten. Ein untrügliches Zeichen, bald weiterziehen zu müssen. Nur ein einziges Mal in den letzten 10 Jahren war ich zu Hauptsaison im Juli und August unterwegs. Zwangsläufig, weil ich 2010 ein Jahr in meinem nun leider vergegangenen Wohnmobil unterwegs war. Diese Zeit habe ich dann allerdings größtenteils im Balkan verbracht, der damals noch nicht viel Zuspruch von Touristen erhalten hat. Sonst sehe ich zu, rechtzeitig nach Berlin zurückzukommen, wenn die Saison beginnt. Aber ich glaube, das habe ich schon einmal irgendwann beschrieben.
Bald schon hatte ich genug vom Gedränge. Ich schob mich in Richtung Meer und war bald an der Strandpromenade angelangt. Prächtig. Ich mag so etwas. Schlendern, Promenieren, Dahinschlawenzeln, man nenne es, wie man möchte. Auch war Flut, so dass das Meer auch als solches zu erkennen war.
In der Nähe des alten Hafens trank ich erst einmal einen Café Creme. Die See glitzerte, doch ich spürte bereits den Abschied. Es werden die letzten Tage am Meer. Aber beschweren kann ich mich nicht. Zu lange war ich unterwegs und habe dabei jeden Augenblick genossen. Und vorbei ist es noch nicht, denn auch an diesem Tag hatte ich eine Wanderung geplant. Wieder der Küstenweg, wieder der GR34. Was sonst?
Nach dem Kaffee ging ich zum kleinen Dorf Tu És Roc. Es ist hübsch herausgeputzt, wenn auch etwas zu hübsch, um authentisch zu wirken. Trotzdem sind die alten Steinhäuser liebevoll renoviert. Man sieht, dass Geld in der Gegend steckt. Was ich bereits an den Immobilienpreisen merkte, die ich immer und ständig kontrolliere. Einzig Finistère scheint noch erschwinglich. Manchmal zumindest.
Aber ich folgte weiter dem Pfad, ohne mich von all zu vielen Gedanken ablenken zu lassen. Ich glaube, ein Reisender kauft keinen zweiten Wohnsitz. Das hat schon wieder etwas zu Festes an sich.
Bald schon erreichte ich die alten Steinbrüche, von dem der Campingplatzbesitzer erzählt hatte. Die halbe Bretagne scheint aus Steinen wie diesen hier zu bestehen. Warum auch nicht? Sie haben ja genug. Heute sind diese Steinbrüche mit Wasser gefüllt und heißen „Lac Bleu“. Sehr blau fand ich es zwar nicht, aber das war auch nicht schlimm. Malerisch war es trotzdem, die in vielen Farben schimmernden Felsen und das tiefgründige Wasser, umgeben von schattiger Vegetation, unter der sich hervorragend wandern liest.

Erquy und Wanderung in Richtung Cap d’Erquy

Bald schon zogen sich die Bäume jedoch zurück und wichen einer Heidelandschaft. Auch hübsch und blühend, allerdings sieht alles sehr zerbrechlich aus. Die flachen Pflanzen krallen sich an der dünnen Erdkrume fest, verwurzeln sich in jedem Spalt, wovon es hier zwischen den nackten Felsen genügend gibt.
Die Wege sind akribisch abgesperrt, sicher nicht ohne Grund. Denn die Pflanzenmüssen geschützt werden.
Diverse Ruinen zeugen von der industriellen Vergangenheit Erquys. Es sieht heute alles wildromantisch aus. Das kenne ich aus England. Cornwall oder im Norden der Lake District. Aber diese Eindrücke täuschen. Es war ein hartes und gefährliches Leben für die Menschen. Ich glaube, wir machen uns manchmal zu viel vor.
Wieder genoss ich den Weg am Meer entlang, der es aber wirklich in sich hatte. Laufend musste ich entweder hoch oder hinunter. Es ist eine ziemlich anspruchsvolle Strecke, was auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist. Steinig, mitunter rutschig, selbst ich hatte oft Mühe, auf den Beinen zu bleiben.
Das Cap d’Erquy entschädigte mich für alle Mühen. Wieder hatte ich einen dieser grandiosen Aussichtspunkte erreicht, von denen es in der Bretagne so viele gibt. Selbst wenn man einen einmal nicht erreicht, ist ein anderer meist nicht weit. Ich schoss Dutzende von Fotos. Auf der ganzen Reise sind es bereits ungefähr 1500. Wer sich die einmal ansehen wird? Ich in jedem Fall.
Zum Plage de Lourtuais ging es steil bergab. Jeder Höhenmeter, den ich zuvor mühsam bezwungen hatte, schmolz dahin, bis ich mich wieder auf dem Niveau des Meeresspiegels befand. Am Strand ruhte ich mich kurz aus. Es ist nicht wirklich angenehm, denn es gibt keinen Schatten. Ich liege oder sitze nicht gerne in der prallen Sonne. Aber das ließ sich hier nicht vermeiden. Mehr als 20 Minuten hielt ich es allerdings nicht aus. Dann nahm ich den erneuten und wieder sehr steilen Anstieg in Angriff, der sich nicht vermeiden ließ, wollte ich doch weiter auf dem GR 34. Es ist hier eigentlich ganz einfach. Ein Felsen wird gefolgt von einem Strand, dann wieder Felsen, wieder Strand, und so weiter. Es hieß aber auch, dass das stetige Bergauf, Bergab weiterging. Auch der Plage Portuais ist ein „wilder“, ein Plage Sauvage. Aber es kommen doch einige Leute her, denn es gibt außer dem GR34 noch Asphaltstraßen, die zumindest in die Nähe führen. Als ich nach einigem Auf und Ab, auf dem Felsen vor dem Strand Plage du Guen stand, spürte ich einen Schmerz im Gluteus Maximus. Zumindest auf der rechten Seite. Vielleicht war es ein Krampf. Vielleicht nur Muskelkater. Weit war ich nicht gekommen, vielleicht sieben Kilometer. Ein Witz im Vergleich zu anderen Touren. Es kann sein, dass der Migräneanfall vom Vortag noch nicht auskuriert war. Mein Körper hat Methoden, mir mitzuteilen, wann es genug ist. Ich respektiere das, auch wenn ich es manchmal nicht mag. So auch heute, hatte ich doch vorgehabt, bis nach Sable d’Or zu laufen. Das ging nicht. Auf halbem Wege gab ich auf. Der Campingplatz war gar nicht weit entfernt, vielleicht anderthalb Kilometer, zwar auf langweiligen Straßen, aber das konnte ich mir jetzt nicht aussuchen. Trotzdem hatte ich große Mühe, ihn zu erreichen. Ich schleppte mich mehr schlecht als recht dahin. Ich kenne das sonst nur von großen Touren. Aber heute? Nach zweieinhalb Stunden wandern? Ich kann es mir nicht erklären. Meine Muskeln schienen sich jedoch gegen weitere Anstrengungen zu wehren, blockierten einfach. Es half alles nichts.
Vor dem Zelt, dass ich endlich erreicht hatte, kollabierte ich kontrolliert. Ich glaube, ich schlief eine halbe Stunde komatös. Danach ging es besser. Zwar waren die Schmerzen nicht fort, aber ich konnte mich wieder bewegen. Musste ich auch, denn ich hatte noch nichts zum Abendessen eingekauft. Es war nicht so schlimm. Denn ich war gut genug erholt.
Vielleicht ist es gut, diese Reise langsam zu beenden und an den Schreibtisch zurückzukehren. Körperlich scheine ich langsam Grenzen zu erreichen.

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