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Voll geplant, voll daneben

Ich gebe zu, dass ich nicht zu den organisiertesten Menschen der Welt gehöre. Aber gerade wenn es ums Kochen geht, macht das eigentlich kaum etwas.
Etwas vergessen? Mal kurz zu Edeka.
Sahne sauer? Lidl hilft.
Mist, kein Brot am Morgen. Sind ja nur 100 Meter.

Damit ist es jetzt aber irgendwie vorbei. Was fehlt, fehlt. Und das stellt mich manchmal wirklich vor Herausforderungen. Es sind Kleinigkeiten. Der falsche Käse für die Pizza, keine Tomaten für den Salat, letztens ist mir die Gorgonzola-Sauce angebrannt.

Da ich keine Lust auf allzu große Überraschungen habe, bin ich jetzt wirklich dazu übergegangen zu planen, was ich wann kochen will. Zu Anmerkung, das ist mein „to do“ in der Beziehung. Warum das so ist, werde ich vielleicht mal an anderer Stelle erörtern.

Ich erinnere mich dabei an meine Mutter. Die hat das auch so gemacht. Es gab einen Wochenplan, irgendeine Tafel, die man wieder abwischen konnte. Darauf stand, was es zu essen geben würde (eine Qual, sie konnte nicht kochen). Unter dieser Prämisse ist sie dann einmal die Woche einkaufen gegangen.

Zwingt mich die Krise jetzt, genauso wie meine Mutter zu werden? Vielleicht ein bisschen. Der Effekt ist aber: Ich spare Zeit, weil ich sehr selten einkaufen gehe. Und da liegt aber auch die Crux. In den letzten Tagen habe ich gemerkt, wie gerne ich das eigentlich mache. Da ich seit zehn Jahren in Home Office arbeite, war das bislang immer ein Stück Abwechslung. Einfach mal raus und etwas Trubel sehen. Also minimal.
Jetzt fehlt mir das. Die fehlende Zeit kann ich jetzt anderweitig nutzen. Ich bin gespannt, wann ich davon genug habe. Zum Glück ist es im Augenblick zwar sonnig, aber ziemlich eisig. Nachts sogar bis minus fünf Grad. Daher zieht es mich noch nicht mit Macht nach draußen.

In einigen Tagen wird sich das sicher ändern. Auf dem Balkon habe ich eine Menge Pflanzen zu stehen, die ich in unserem Garten in Gräbendorf pflanzen will. Ein Pflaumenbaum ist dabei, ein Mandelstrauch, eine Blaubeerpflanze. Dazu kommen Stecklinge für Kräuter, die noch eine Weile benötigen, aber auch gerne eingepflanzt werden wollen, wenn es soweit ist.
Ich hoffe, dass der Drang, in den Garten zu fahren, nicht zu stark wird. Der ist immerhin 45 Kilometer entfernt. Eine schöne Radtour, aber sicher nicht besonders vernünftig. Zwar wäre ich dort isoliert, würde auch nicht in Kontakt mit anderen treten können. Aber was geschähe, wenn ich mich schon infiziert habe? Dann käme ich nicht mehr zurück. Oder wäre vielleicht sogar sehr krank, an einem Ort ohne Heizung.
Im Moment also bleiben die Pflanzen auf dem Balkon stehen.

Es ist schon eigenartig, wie sehr sich unser Kosmos verkleinert. Letzte Woche hatte ich einen Platten bei meinem alten Rad. Nicht so wild, denn ich habe noch zwei andere, Falträder. Auch eine Geschichte wert, aber nicht jetzt.
Gestern nun kam ich endlich dazu, es mal hochzutragen, um den Schlauch zu flicken. Siehe da, es war nicht nur der Schlauch. Auch der Mantel ist defekt, der Draht innen hat sich vollkommen gelöst und wahrscheinlich auch den Schlauch durchbohrt, der ebenfalls hinüber ist.
Heute Morgen habe ich geflissentlich eine Stunde damit verbracht, genau zu studieren, welche Produkte ich nun bestellen muss. Ich meine, im Hinterkopf hatte ich den Gedanken, das alte Ding so wie es ist zu verscherbeln. Es fährt eigentlich noch gut, aber ich brauche es nicht wirklich. Trotzdem faszinierte mich das kleine Problem, dem ich viel zu viel Zeit widmete. Ist das Langeweile? Oder Reizunterflutung? Ich mag Probleme. Oder besser: Ich hasse Probleme und habe einen unbändigen Drang, sie sofort zu lösen. Endlich also tauchte mal eines auf.
Lange hat es mich nicht beschäftigt. Aber viel zu lange im Vergleich.

Interessant, was diese Isolation aus mir macht. Mal sehen, wo die Reise hingeht.

Ganz sicher sind das Luxus-Probleme, im Vergleich zu denen, die Leute haben, die krank sind oder in medizinischen Berufen arbeiten.
Und das möchte ich bei all meinem Gejammer nicht vergessen.

Hier ein Link zum Coronavirus-Update mit Dr. Drosten.

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