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Catania

Gestern lief alles gut. Nina kam pünktlich an, auch die Gepäckausgabe funktionierte fantastisch. Auch war ich froh, nicht mit den Öffentlichen zum Flughafen gefahren zu sein, denn auf diese Weise waren wir schon wenige Minuten später auf dem Campingplatz. Es wurde ein langer Abend, mit Wein und Tajine.
Heute Morgen starteten wir recht gemächlich. Warum auch nicht? Auf uns wartete nur Catania, ein Ort also, den ich recht gut kannte und der kein absolutes Highlight darstellte. Genau das Richtige also für den ersten gemeinsamen Tag. Erst gegen elf Uhr machten wir uns auf den Weg, da ich allerdings vergessen hatte, ein Fenster im Camper zu schließen, liefen wir die Strecke nochmals zurück. Da der PC direkt unter dem weit geöffneten Fenster stand, hätte ein kleiner Schauer einigen Schaden angerichtet, also war es besser so. Allein schon wegen der inneren Ruhe. So wurde es zwölf, als wir endlich in den Bus in Richtung Zentrum stiegen. Dort angelangt liefen wir die Via Etna entlang, an den schließenden Geschäften vorbei. Es war ein eigenartiges Gefühl, gerade erst war ich nach langer Standzeit hier abgefahren, alles schien so vertraut, aber auch abgestanden. Ich zeigte Nina einige der Attraktionen, das Amphitheater, das zum großen Teil unter den modernen Gebäuden liegt, den Domplatz mit dem Obelisken auf dem grauen Elefanten aus Lavagestein, den Piazza Dante und auch das antike Theater. Ich weiß nicht warum, aber wir waren nach diesem kurzen Trip so erschöpft, dass wir halb schlaftrunken durch die Straßen taumelten. Selbst eine ausgedehnte Pause in einem Café belebte unsere Geister nicht, im Gegenteil, der starke Espresso machte uns noch müder. Sicher lag es an der morgendlichen Bettgymnastik, die sicher etwas ausführlicher ausfiel aufgrund der monatelangen Trennung. Wir spazierten noch etwas weiter im Zentrum herum, ruhten uns in einem Park aus, aber die Luft war heraus, was das Sightseeing betraf. Wir beschlossen, zum Platz zurückzufahren, um später eine nette Pizzeria zu finden, in der wir erneut das Wiedersehen feiern wollten. Als wir jedoch wieder in der Gegend des Campingplatzes ankamen, stellte sich heraus, dass alle Pizzerien entweder gänzlich oder zumindest montags geschlossen hatten. Wir beschlossen, dass das sicher eine Fügung des Schicksals war, denn wir beide hätten sicher nur schwerlich die Energie zurückgewonnen, um heute noch auszugehen. Also verschoben wir das Essengehen um einen Tag, sind jetzt wieder zu Hause und ruhen uns aus.

Vielleicht ist es auch die ungewohnte Zweisamkeit, die uns heute beide etwas ausgelaugt hat. Vielleicht wird es morgen besser, denn wir planen einen Ausflug nach Taormina. Mal sehen, ob wir es rechtzeitig aus dem Bett schaffen. Auf der anderen Seite ist es nicht sehr weit und die Stadt nicht so groß, so dass wir uns nicht den gleichen Stress machen müssen, den ich sonst allein gewohnt bin. Komisch, dass ich alles etwas entspannter angehe, wenn Nina da ist. Ganz sicher sehen wir beide zusammen genauso viel wie ich allein, nur dass bei mir allein immer ein schlechtes Gewissen mitläuft, wenn ich nicht rechtzeitig starte. Aber so ist das vielleicht. Die Frau, die einem den Halt gibt und die Dinge wieder in die richtige Relation bringt. Manchmal brauche ich das. Sonst verliere ich sicher den Halt und den Realismus, der mich noch auf eine gewisse Weise befähigt, meinen Verstand zu behalten. Wenn das überhaupt noch möglich ist.

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