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Ein Tag der Entscheidungen.
Irgendwie wusste ich, dass ich heute meinen letzten Tag hier erleben würde. Eigentlich hatte ich vorgehabt, vielleicht eine Woche zu bleiben, aber daraus wird nichts. Warum kann ich nicht genau sagen. Wahrscheinlich fasziniert mich die Bergwelt hier noch nicht genug.
Lavelanet oder Tarascon-sur-Ariège, die Wahl, wo ich morgen hinfahren werde, machte ich mir nicht leicht. Das Motto der Reise sollte vor Antritt das sog. Katharerland sein, so hatte ich es festgelegt. Aber ganz ehrlich, ich habe mich zwar vorher mit dem unsäglichen Kreuzzug gegen diese christliche Sekte beschäftigt, aber als ich hier war, habe ich nichts verfolgt, was daran hätte erinnern können. Gelegenheit hätte ich gehabt, sowohl in Carcassonne als auch in Toulouse. Aber andere Attraktionen haben meine Aufmerksamkeit geweckt. Trotzdem, Monségur, die alte Ruine hoch oben in den Bergen, wäre ein würdiges Wanderziel von Lavelanet aus. Ich ging sogar zur Touristeninformation und erkundigte mich. Es gibt tatsächlich einen Bus von Foix nach Lavelanet, der sogar dreimal am Tag fährt, einer ganz bequem um die Mittagszeit.
Auf der anderen Seite stand Tarascon, mit den nahen Höhlen von Niort, die ich unbedingt sehen will. Also eigentlich wäre Zeit für beides, doch von diesem Plan fühle ich mich gehetzt. Ich weiß auch nicht warum, aber langsam beginne ich, die Tage bis zu meiner Abreise zu zählen. Das Gefühl kenne ich nicht. Ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal nicht aus eigenen Stücken entschieden habe, wann eine Reise zu Ende ist. Jetzt aber muss ich einen Bus bekommen, der mich zurück nach Deutschland bringt.

Lange Rede, nach zwei Stunden, die ich in einem Café am Platz vor der Kathedrale verbrachte, wusste ich, dass ich nicht nach Lavelanet fahren werde. Ausschlaggebend war, wie könnte es anders sein, das Wetter. Das soll sich morgen noch halten, danach aber wesentlich feuchter und kälter werden. Das spricht alles nicht gerade für lange Wanderungen, oder?

Auch das ist ein vorgeschobener Grund.

Ich wollte den Stress nicht. Irgendwie steht doch die Erholung etwas eher im Mittelpunkt, auch wenn ich damit im Augenblick meine Schwierigkeiten habe. Mein Kopf will nicht gerne abschalten, Ruhe finden scheint derzeit unmöglich. Die Situation zuhause ist alles andere als rosig. Die Krankheit meiner Frau manifestiert sich in etwas, das permanent zu werden scheint. Ich kann darüber nicht objektiv schreiben, also lasse ich das an dieser Stelle.

Sogar der Gedanke daran, einige Tage am Meer zu verbringen, ohne die Obligation zu reisen, d.h. zu entdecken, wird im Moment immer positiver.

Mal sehen, was es am Ende werden wird.

An diesem Tag ist sonst weiter nichts passiert. Ich muss es mir merken, Frankreich steht nicht nur an einem Sonntag still, auch Montags geschieht nicht viel, das heißt, die Geschäfte sind zu. Der Markt, den ich erwartet hatte, entpuppte sich als billiger Klamottenmarkt. Nicht gerade sehr anziehend. Der richtige ist wahrscheinlich am Freitag, aber das betrifft mich nicht mehr.

Ich fand noch einen Wanderweg und ging ein Stück, bis ich an eine Stelle kam, an der es wirklich ernst wurde. Meine Oberschenkelmuskeln aber wollten nicht so wie ich. Es wäre ganz sicher zu viel gewesen, einen Ruhetag brauche ich in meiner derzeitigen Verfassung sicher. Wir wollen ja nicht übertreiben.

Morgen also fahre ich weiter nach Tarascon. Und dann weiter in Richtung der schneebedeckten „Pics“, also der Gipfel. Vielleicht bringen mir die Wanderungen etwas mehr Frieden. Ich möchte es hoffen.

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