Chania

Ein wirklich ruhiger Tag.
Er begann ungewöhnlich: mit Regen.
Nachts hatte es irgendwann angefangen, ich bin es kaum gewohnt, deshalb habe ich auch das Zelt nicht regenfest aufgestellt. Aber es wurde innen nur ein wenig nass, und auch nur auf der rechten Seite des Innenzelts. Also halb so wild.
Was etwas ärgerlich war, war die Tatsache, dass meine Wäsche, die ich gestern Nachmittag erst gewaschen hatte, wieder ziemlich nass war. Ich habe sie jetzt einfach hängen lassen.
Der Himmel sah allerdings ziemlich bedrohlich aus, als ich aufstand. Aber was sollte ich machen? Regen lag in der Luft, es war irgendwie schwühl-warm, aber auch gleichzeitig kühl. Das sollte sich heute den ganzen Tag abwechseln.
Ich stand auf, durchlief meine Yoga-Morgenroutine und späterem Frühstück, dann ließ ich mir wieder einmal Zeit, nähte erneut mein Campingkissen, das nur noch zwei Nächte durchhalten muss, bevor ich es in Piräus entsorgen werde.
Das Einzige, das ich heute zu tun hatte, war die Planung meiner Weiterreise.
Und das war einfach.
Gegen halb elf radelte ich los, hielt beim ersten Reisebüro, das mir begegnete und kaufte mein Fährticket für morgen Abend um 22 Uhr. Das wird herausfordernd, weil ich um diese Zeit immer schon ziemlich müde bin. Na ja, ich werde mich beschäftigen müssen.
Das war alles kein Problem.
Danach fuhr ich nach Chania in die Altstadt. Ich hatte den Eindruck, dass es etwas weniger geschäftig war als noch vor zwei Wochen. Aber das änderte sich leider später, im Grunde ist es noch immer so voll wie vorher. Wahrscheinlich möchte ich nicht wissen, was hier in der Hauptsaison los ist.
Ich suchte jedenfalls einen WiFi-Hotspot, buchte das Hotel in Piräus, ein günstiges Einzelzimmer, dann war ich im Grunde fertig mit der Planung. Nun muss ich nur noch zusehen, wie ich von Piräus zum Flughafen komme, aber das wird ebenso problemlos laufen wie sonst auch. Nur die Zeit ist anstrengend, mein Flug geht um 8:20, und ich möchte zeitig am Flughafen sein. Aber darum mache ich mir erst in drei Tagen Gedanken.

Danach schlenderte ich durch die altbekannten Gassen. Es ist angenehm. Ich vermied es meist, stehenzubleiben, um mir die Gegenstände anzusehen, die hier verkauft werden. Manchmal sind sie ziemlich interessant. Leider stürzt sich sofort Verkaufspersonal auf einen, wenn man zu lange stehen bleibt. Ich empfinde das weiterhin als unangenehm.
Ich lief die Mole entlang, weiter, außerhalb der venezianischen Stadtmauer, in die Gegend, in der fast nur noch Griechen unterwegs sind. Das ist angenehm. Hier gönnte ich mir noch einen Espresso Freddo, starrte auf das Meer, das ich nun bald endgültig verlassen werde. Wehmütig bin ich nicht. Es reicht langsam, nach mehr als fünf Wochen hier kann ich mich auch wieder anderen Dingen zuwenden.
Eigentlich war es das schon. Ich lief noch an einem Kino vorbei, nur um zu sehen, ob der neue Bond-Film läuft. Er läuft. Aber erst abends. Ich weiß noch nicht, ob ich Lust dazu habe.
Mir ist bewusst, dass es wahrscheinlich noch nicht das letzte Mal gewesen ist, dass ich hier war. Morgen habe ich unendlich viele Stunden zu vergeuden, da werde ich sicher wieder in Chania sein. Wo auch sonst? Bis 22 Uhr ist viel Zeit. Ich bin gespannt, ob ich es schaffen werde, auf der Fähre meine Isomatte auszurollen. Das ist eigentlich die Idee. Es wird wohl darauf ankommen, wie voll sie ist. Ich lasse mich überraschen. Wenn nicht, dann muss ich so zurechtkommen. Meinen Schlafsack nehme ich jedenfalls auch mit. Und das leidige Kopfkissen. Just in case.
So also geht morgen mein Kreta-Aufenthalt zu Ende. Und ich empfinde es als beruhigend. Es hat gereicht, wie ich finde. Ich hätte noch mehr machen können, weiß auch nicht, warum ich nicht mal aus meinem Camping-Schema habe ausbrechen können, um Orte zu besuchen, die keinen Campingplatz haben. Booking hat eine Menge Angebote.
Ich muss mal darüber nachdenken. Es geht schließlich um das Reisen. Und nicht um das Campen.