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Reisetag. Ein ganz gemütlicher.
Ich hatte mir schon am Abend zuvor vorgenommen, den heutigen Tag nicht in Stress ausarten zu lassen. Warum auch? Busse fuhren zuhauf, Bahnen ebenso, es gab also wirklich keinen Grund, warum ich heute hetzen sollte. Zumal das heutige Reiseziel, Tarascon-sur-Ariège, keine 20 Bahn-Minuten entfernt lag. Ich hielt noch ein kurzes Schwätzchen mit einer deutschen Rezeptionistin, währenddessen konnte das klamme Zelt ein wenig trocknen, das alles ohne Eile. Ein recht seltenes Vergnügen, auch wenn ich meist verantwortlich bin für falsche Zeitpläne.
So also hatte ich noch Zeit für eine kurze Internetsession, bevor ich meinen Koffer gemächlich in Richtung Bushaltestelle zog. Der Bus kam ohnehin fünf Minuten zu spät, alles so, wie ich es in den letzten Tagen erlebt hatte. Alles kein Grund, sich aufzuregen.
Am Bahnhof dann ärgerte ich mich dennoch. Eine Dame vor mir organisierte ihre vollständige Monatstour mit der Schalterbeamtin, komplett mit Kalender und ausgiebiger Diskussion über Optionen jedweder Art. Nicht dass ich es eilig gehabt hätte, denn der Zug fuhr erst 40 Minuten später. Dennoch kann ich so etwas nicht aushalten. Ich hasse es, Leute vor mir zu haben, vor allem, wenn sie nicht wissen, was sie wollen. Ich glaube, die Schalterbeamtin hat meine sich verändernde Miene beobachtet und sich nach der sicher anstrengenden Tortur mit der Kundin ablösen lassen, bevor ich an der Reihe war. Das Lustige, meine Transaktion dauerte dann ganze 60 Sekunden. Aber das war ja auch nicht schwierig.

Es ist kaum zu glauben, wie rasch sich eine Landschaft verändern kann.
Es waren keine 20 Kilometer in Richtung der Pyrenäen, also weiter hinein in das Ariège-Tal. Mit jedem Kilometer wurden die Berge höher, die Szenerie spektakulärer. Auch kamen natürlich die schneebedeckten Gipfel näher. Das ist schon einzigartig.
Gegen halb zwölf zog ich also meinen mit Zelt bepackten Koffer in Richtung Campingplatz. Es ist zu einer angenehmen Ausdauerübung geworden, die meine Schultermuskulatur beansprucht.
Alles ging sehr schnell, die Menschen hier sind ausgesprochen freundlich, haben mit meinem manchmal stockenden französisch, das aber immer flüssiger wird, Geduld, so dass ich ein immer besseres Gefühl bekomme.

Nach einem ausgiebigen Lunch und einem Kaffee machte ich mich am Nachmittag auf in die kleine Stadt, über die ich eigentlich nichts weiß. Hatte ich in Foix schon das befriedigende Gefühl, angekommen zu sein, so hatte ich es hier noch ein bisschen intensiver. Meine Wahl der Tour ist genau richtig, das stelle ich gerade fest. Es ist genau das, was ich brauche. Eine hübsche Kleinstadt, die ich mir ohne Eile anschauen kann, dazu eine interessante Bergwelt und einige spektakuläre Attraktionen, auf die ich noch zu sprechen kommen werde. Ich sah mir in jedem Fall erst einmal die Altstadt an, die sicher im Mittelalter eine rechte Trutzstadt gewesen sein muss. Sie liegt hoch über dem Fluss, der sich heute recht wild gebar. Der wuchtige Uhrenturm jedenfalls ist das Wahrzeichen der Stadt und thront darüber wie ein Gockel über seinen Hennen. Sehr stolz, das ganze.

Das Schöne an Tarascon ist, dass man recht klar erkennen kann, wo früher die Stadtmauer verlaufen ist, denn einige verwitterte Stadttore sind noch gut erhalten. Der Kathedralenplatz ist sicher einer der spektakulärsten, den ich kenne. Er ist weit und von uralten, vom Alter gekrümmten Gebäuden umgeben, die ihm einen außergewöhnlichen Charme verleihen. Schade, dass es hier kein Café gibt, hier hätte ich gerne eine Weile gesessen. Aber der Platz war menschenleer, wahrscheinlich spielt sich das Leben in der etwas neueren Stadt unten am Fluss ab. Die Kathedrale ist in jedem Fall romanisch. Sie ist von geduckter Gestalt, ganz so, wie es bei diesem Baustil sein muss. Leider war sie zugesperrt, aber ich bin sicher noch einige Tage hier. Also ging ich zum Uhrenturm, der offensichtlich aus dem späten 18. Jahrhundert stammt, Jedenfalls sagt das die Jahreszahl 1776 (soweit ich mich erinnern kann) in einem Stein über der Tür. Von dort oben hat man eine fantastische Aussicht über die Stadt, auch über die Altstadt, deren Gemäuer von hier gut nachvollziehbar ist, zumindest zur Flussseite hin.

Danach lief ich noch eine Weile durch die alten Gassen. Viele Bewohner lassen es sich nicht nehmen, den Platz vor ihren Türen mit Blumentöpfen zu schmücken. So etwas beschwingt mich immer. Das gibt den alten Straßen so viel Farbe und Leben.
Wundervoll.
Um den Tag noch abzurunden, ging ich zur Touristeninformation. Sehr hilfreiche Damen brachten mir schonend bei, dass man nach Niaux zu den einzigartigen Höhlen nicht mit dem Bus fahren kann. Aber es wäre nicht weit, 4 Kilometer ungefähr. Googel sagt 5, aber das ginge auch noch. Auf jeden Fall aber reservierten sie mir einen Platz für Donnerstag am frühen Nachmittag. Der Besuch der Höhlen mit den einzigartigen Malereien wird der absolute, undisputed, Höhepunkt dieser Reise. Mir ist es dieses Mal sogar egal, wie teuer das wird. Ich muss meine Zeit hier nutzen.
Wie es aussieht, werde ich hinwandern. Es wird schon irgendwie gehen.
Ein wirklich erfolgreicher Tag geht zu Ende. Ich bin damit jedenfalls sehr zufrieden. Morgen soll Markttag sein, das werde ich nutzen. Vielleicht komme ich sogar endlich mal dazu, mit dem Zeichnen zu beginnen, etwas, das ich mir schon eine Weile vorgenommen habe.
Ich will aber nicht zu viel versprechen.

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