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Noch immer deprimierte mich der Diebstahl des Rades. Leider hat er eben Folgen, denn mein Budget ist dadurch geschrumpft. Langsam wurde mir klar, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt, die Extra-Ausgabe auszugleichen: weniger Attraktionen und günstigere Lebensmittel. Ich werde also die Konsequenzen dieser allemal dummen Angelegenheit noch eine Weile spüren.

Der Tag begann langsam. Mein Zug sollte um kurz nach zwei Uhr am Gare st. Jean abfahren, also hatte ich viel Zeit, die ich mit Lesen verbrachte. Bruno, Chef de Police, Eskapaden, um mich in Stimmung für das Périgord zu bringen. Diese Stimmung hatte allerdings diesen gewaltigen Dämpfer erhalten. Langsam also packte ich die Sachen auf das neue Rad, das erste Mal richtig. Seit Wochen schleppe ich die beiden Fahrradtaschen mit mir herum, endlich kommen sie wirklich zum Einsatz. Es handelt sich wirklich um gute Qualität, wasserdicht und ausgesprochen robust. Sie haben daher auch ihr Gewicht, was ich seit unserem Aufbruch aus Berlin merke. Aber jetzt will ich sie nicht missen. Trotz der Tatsache, dass sehr viel hineingeht, bin ich dennoch schockiert ob der Masse des Gepäcks. Das Rad jedenfalls ist außerordentlich stabil, es trägt das Gepäck problemlos, ohne umzufallen. Mein Fahrrad in Berlin schafft das nicht, obwohl es wesentlich teurer war. Ich muss dazu anmerken, dass es meine erste Reise mit einem Rad ist, also Neuland. Ich zurrte alles fest, bemerkte aber, dass ich meinen kleinen Trekking-Rucksack trotzdem auf den Rücken schnallen musste. Nicht sehr angenehm. Kurz vor zwölf fuhr ich endlich von dem mir nicht besonders geliebten Camping du Lac ab. Er ist sehr laut und ich habe hier schon viel zu viel Zeit verbracht.

Es ist etwas anderes, mit 20 KG Gepäck auf dem Fahrrad zu fahren. Meine dünnen Beine mühten sich ab. In Berlin habe ich etwas trainiert, ein paar Touren im flachen Brandenburg unternommen. Doch mir war klar, dass hier alles anders sein würde. In Bordeaux jedenfalls kam ich gut voran, die Strecke war flach und mit recht guten Radwegen ausgestattet. Auch wenn Autofahrer die Wege eher als Möglichkeit zum Parken nutzen. aber das kenne ich aus Berlin.

Viel zu früh war ich am Bahnhof, wuchtete das Rad nach unten, weil ich erst viel zu spät den Aufzug bemerkte. Hier wartete ich noch fast eine Stunde, bis das Bahngleis feststand. Wieder schleppte ich das Rad nach oben. Treppen können gnadenlos sein. Dann wartete ich. Und wartete. 5 Minuten Verspätung, 15 Minuten, 30, 40, 50. Immer wenn der Zug kommen sollte, änderte sich die Anzeige. Ich rechnete schon mit dem Schlimmsten. Noch eine Nacht in Bordeaux war kaum vorstellbar. Dann aber kam er doch noch. Leider musste ich die meiste Zeit der Fahrt stehen und das Rad halten, aber es gibt Schlimmeres. Zwei Stunden später erreichten wir Le Buisson, gleichzeitig die Endstation, weil SNCF entschieden hatte, die Verspätung aufzuholen, und den Rest der Reisenden mit Taxi oder Bus weiterzutransportieren. Keine angenehme Angelegenheit, zumal etliche Radfahrer dabei waren, an die sicher niemand gedacht hat. Eine Gruppe Amerikanern stand jedenfalls das Entsetzen im Gesicht, als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie aussteigen mussten. Sie wollten bis Sarlat. Ich weiß nicht, was aus der Geschichte geworden ist.

Denn ich war nun angekommen. Ich strampelte in Richtung Le Bugue, ca. 10 Kilometer entfernt. Hier bemerkte ich erst, was es heißt, eine echte Radtour zu unternehmen. Auf und ab ging es und meine Muskeln brannten. In Berlin sind wir keine Steigungen gewohnt. Ich denke, dass ich mich im Laufe der Zeit daran gewöhnen werde. Ich erreichte den Campingplatz in le Bugue, verewigt in den Büchern von Martin Walker. Er liegt am Fluß.

 

Es war schön, wieder hier zu sein. Ich wünschte nur, dass ich mich auf Reisen nicht mitnehmen müsste. Denn die in den letzten Jahren immer zunehmende Schwermütigkeit setzt mir immer mehr zu. Mal sehen, wann oder ob ich wieder Freude empfinden kann. Wenn nicht hier, dann nirgendwo.

 

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