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Wir sind wieder zu zweit.
Ich hatte mir den Wecker gestellt, um rechtzeitig abfahren zu können. Gegen neun begann die Reise, ich dachte, dass ich viel Zeit hätte, um gegen 13 Uhr bequem am Flughafen in Nizza sein zu können. Schließlich lagen auch nur etwas mehr als 60 Kilometer vor mir. Ich hätte es wissen müssen, denn es kam natürlich anders. Erst musste ich einmal mehr eine Gebirgsstraße hinauf, später wieder hinunter. Ständig verzögerte sich durch die oft langsamen Steigungen meine Ankunftszeit, was noch kein Problem darstellte. Ich wurde schließlich durch die spektakuläre, aber anspruchsvolle Strecke entschädigt.
Dann kam ich bei Cannes in der städtischen Zone an, wie ich es einmal nennen möchte. Dort begann das Chaos. Ich hatte es vergessen: Es fanden die Filmfestspiele statt. Stop and Go, kilometerweit. Es sind die Augenblicke, die mich zur Verzweiflung bringen, denn ich bin es kaum mehr gewohnt, in Städten Auto zu fahren. Das Wohnmobil nutze ich ausschließlich zum Reisen, nicht in Berlin, wo ich es wegen der roten Feinstaubplakette ohnehin kaum fahren darf. So verbrachte ich Stunden im Auto. Als ich dachte, aus dem Gröbsten heraus zu sein, mich auf der Anfahrt zum Campingplatz befand, wo ich eigentlich erst einchecken wollte, stand ich wieder. Nichts bewegte sich. Nur mit Mühe schaffte ich eine Kehrtwendung, um zum Flughafen fahren zu können, wo ich zehn Minuten, bevor Nina landete, eintraf. Gerade noch blieben mir einige Augenblicke, um einen Kaffee zu trinken, dann kam sie auch schon durch das Gate. Unglaublich.
Als wir die Fahrt zum Campingplatz antraten, war alles wie leergefegt. Keine Ahnung, was vorher los gewesen war, aber jetzt schienen alle Franzosen angekommen zu sein.
Wir ruhten uns nur etwas aus, bevor wir beschlossen, die Stadt, Cagnes-sur-Mer, zu besichtigen. Wir mussten ins Nachbartal, was auf der Karte immer einfach aussieht, aber mit der Überwindung einiger Steigung verbunden ist. Es war trotzdem ein schöner Marsch, denn immer hatten wir Ausblicke auf das bergige Hinterland der Cote d’Azur.

Cagnes-sur-Mer

Schon von Weitem sahen wir Haute-Cagne. Die alten Gemäuer eines Bergdorfes und einer renovierten Festung leuchteten uns entgegen, und auch wenn wir wieder einen Hügel hinauf mussten, sollte sich der Ausflug lohnen. Bald schon konnten wir verwinkelte Gassen entdecken, auf den unebenen Kopfsteinpflastern balancieren und den Duft von Hunderten Blumen erleben. Meist war es Jasmin, der üppig blühte und schon von Weitem zu riechen war. Oben angelangt wurden wir durch weitere Panoramaaussichten entschädigt. Wir waren froh, diese kleine Anstrengung auf uns genommen zu haben und schwelgten im Genuss des ersten Augenblicks. Es ist schließlich unser erster Urlaubstag, zumindest unser erster gemeinsamer. Wir blieben eine Weile, erkundeten noch einige Gassen, bevor wir uns entschieden, wieder den Abstieg anzugehen. Im Ort dann kauften wir noch einigen Proviant für abends, dann liefen wir zurück zum Campingplatz. Ein neues Rezept kann ich nun meinem Campingkochbuch hinzufügen: Aubergine au frommage du chevre. Auberginen, mit Rosmarin und Knoblauch in Olivenöl angebraten, später, wenn die Scheiben durch und braun sind, mit Ziegenkäse bestückt. Auf einem Kocher muss man die Scheiben samt Käse wenden, damit er richtig zerfließt, in einem Ofen mag es besser ohne gelingen. Dazu einen einfachen Salat und Baguette, mehr braucht das Genießerherz nicht.

Morgen sehen wir uns Nizza an. Es wird ein Wiedersehen nach fast zwanzig Jahren. Ich bin gespannt.

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