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Dass der Ofen heute aus war, merkte ich bereits am frühen Morgen. Es kann kein schöner Anblick gewesen sein, wie ich mich aus meinem Schlafsack zu befreien versuchte. Als ich endlich aufgestanden war, wusste ich, dass an diesem Tag nicht viel passieren würde.
Es ist so eine alte Erfahrung, dass ich irgendwann nichts mehr aufnehmen kann. Schon seit Tagen versucht mein Körper und mein Geist, mit mir zu kommunizieren. Heute aber hörte ich endlich hin. Eigentlich hatte ich mir eine weitere Tour nach Trémolat vorgenommen, aber das musste ausfallen. Zu viele Eindrücke hatte ich in den letzten Wochen gesammelt, die auf mich einzustürzen drohten. Meine Beine taten weh, besonders die Oberschenkel, der Hexenschuss war auch nicht viel besser. Zwar kann ich inzwischen fast ohne Stöhnen aufstehen, aber es ist noch lange nicht vorbei. Also machte ich an diesem Tag Pause. Und zwar richtig. Die Haupttätigkeit des Tages bestand darin, dass ich mich eine Stunde an die Dordogne setzte und eine Coté Sud las. So etwas ist immer vollkommen entspannend. Dann am Nachmittag schaute ich mir die erste deutsche Partie der WM an. Sie spiegelte ein wenig mein Interesse daran wider. Das Spiel war so schlecht, dass ich schon beinahe lachen musste. Dass Deutschland es auch noch verlor, war der Gipfel. Folgerichtig. Was nicht immer so sein muss, denn oft spielen sie schlecht, gewinnen aber trotzdem irgendwie. Nun, heute nicht. So etwas muss eben auch mal passieren.

So verging der Tag herrlich ereignislos. Es war schneller Abend, als ich dachte. Ich kenne solche Tage aus Griechenland, wenn das Highlight schon aus einem Besuch in einem Café besteht. Der Kopf schaltet sich irgendwann automatisch aus. Das geht hier natürlich nicht so gut, aber wenn das Wetter besser wäre, könnte es vielleicht funktionieren.

Noch immer hatte ich nicht entschieden, was ich machen wollte. Auf Strand und Atlantik hatte ich keine rechte Lust. Ich wusste nur, dass ich morgen abfahren musste. Ich empfinde das als positiv, weil ich auf diese Weise meine Reise fortsetze, auch wenn sie nun wirklich rasant dem Ende entgegengeht. Es ist eben kein langsames Ausklingen, sondern schon noch voller Zweck und Nutzen. Trotz des heutigen Ruhetages. Wir werden also sehen, wie es weitergeht. Ich kann mir auch vorstellen, dass ich vor lauter Unentschlossenheit gar nicht mehr weit komme. Aber auch das ist in Ordnung, solange ich die Tage zu füllen weiß. Da mache ich mir kaum Gedanken. Aber auch das ist etwas, das ich erst im Laufe der Zeit beim Reisen gelernt habe. Man muss auch unterwegs wissen, wohin mit sich selbst. Ich sehe oft Alleinreisende, die keine Ahnung haben, was sie machen sollen. Sie sitzen vor dem Zelt, oder stehen irgendwo herum, nachdenklich und anscheinend überrascht, dass sie da sind, wo sie sind. Das ging mir auch so, vor ungefähr 25 Jahren. Aber damit lernt man umzugehen. Auch mit den stilleren Phasen einer Reise. Das Schreiben hilft. Auch Lesen oder Zeichnen. Selbst der kleinste Sinn kann helfen.

 

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