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Regentropfen.
Die an die Wände klopfen.
So oder so ähnlich hätte ich singen können. Einen Gruß in die 30er. Oder besser aus den 30ern, wenn man es genau nimmt. Es ist wahrlich und wahrhaftig erst der zweite Regentag. Ich muss gestehen, dass ich es wieder einmal genoss. Mein Geist und Körper, sonst immer in Bewegung, entweder der eine oder andere, meist beide zusammen, kommen in diesem Augenblick zu Ruhe. Es gibt nichts zu tun da draußen, bei diesem Wetter. Zumindest nicht für mich. So also legte ich die Beine hoch, nahm meine Klimt-Biografie zur Hand, von der ich hoffe, dass ich sie noch beenden kann. Auf dieser Reise.
Ich weiß nicht, wieso ich es sonst nicht schaffe, zur Ruhe zu kommen. Selbst an Tagen, an denen ich eigentlich ausruhen möchte, laufe ich oft kilometerweit. Doch der Vormittag gehörte ausschließlich dem österreichischen Maler. Der Tag rödelte also dahin. Es war nicht schlimm, denn durch das Wetter verpasste ich nichts. Gegen 14 Uhr aber hörte ich nichts mehr. Das Tröpfeln hatte aufgehört, ich nahm durch die dünne Zeltplane sogar die Sonne wahr, die gehörig kämpfte. Nun hatte ich auch genug vom Herumliegen im Zelt. Ich zog die Wanderschuhe an und lief los in Richtung Lilia, einem Bezirk von Plouguerneau. Es war im Grunde nicht mehr als ein Spaziergang, der sich allerdings gut zwei Stunden lang hin streckte. In Lilia selbst gab es nichts weiter. die Straßenfront am Meer ist ansehnlich. Wenn ich jetzt, einen Tag später darüber schreibend, nachdenke, hätte ich dort einen eine Kaffeepause machen sollen. Es wäre wesentlich netter gewesen als später auf dem Campingplatz. Als Rückweg wählte ich wieder den GR34, der mich fast die ganze Zeit am Wasser entlang führte. Auch dem Phare de l’Île Vierge kam ich sehr nahe. Ein wirklich imposanter Bau. Allerdings dominierte er nicht so, wie er eigentlich sollte. Auf der Wanderung, selbst am Wasser, verschwindet er manchmal völlig aus dem Sichtfeld.
Auch ein Leuchtturm hat es nicht leicht.

Phare de l’Île Vierge, Wanderweg GR34

Am späten Nachmittag erreichte ich wieder den Campingplatz. Eigentlich zu früh, aber ich wusste sonst nicht, was ich machen sollte. Denn das viele Ausruhen war anstrengend gewesen. Kaum zu glauben. Eine 20-km-Wanderung hätte den gleichen Effekt gehabt.
Ich muss gestehen, dass ich den Campingplatz nicht mochte. Überall hingen Verbotsschilder. Auf empfindliche Pflanzen wurde hingewiesen, die hinter Drahtzäunen ihr Leben fristen mussten. Ist das ein botanischer Garten oder ein Campingplatz? Hunde an die Leine, Wasser nicht verschwenden, das Handy nicht aufladen, den Müll trennen, aber richtig. Wasserflaschen aus Plastik hier, die Verschlüsse dort, sonstiger Plastikabfall wieder woanders. Irgendwann hört es auf. So etwas führt bei mir zu passiven Widerstand. Da drücke ich alle Wasserhähne in Reichweite, weil mir das Geräusch gefällt, ich nehme überall Pflanzenproben, lade mein Tablet auf, wo es geht und schmeiße alles, was sich an Müll zusammensammelt, in die kleine Tonne in den Räumen, in denen gewaschen wird. Was übrigens strengstens verboten ist. Jetzt fühle ich mich besser. (Was für ein A#%%§ ich doch damals war)
Morgen geht mein Aufenthalt in Finistère zu Ende. Fast drei Wochen war ich hier, am Ende der Erde. Zumindest der französischen. Es hat sich gelohnt. Und ich habe Lust auf mehr.

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