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Ein Reisetag. Und was für einer.
Das Problem bei öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht die etwas längere Fahrzeit, sondern die abenteuerlichen Verbindungen, wenn man umsteigen muss. So etwas bin ich in Berlin nicht gewohnt. Ich beschwere mich schon manchmal, wenn ich 5 Minuten auf eine U-Bahn warten muss. Ein Luxus, im Vergleich. Denn hier rechne ich nicht in Minuten, sondern in Stunden. Aber so ist das eben außerhalb von Metropolen. Davon lasse ich mich nicht mehr abhalten, vor allem, wenn ich wirklich irgendwo hinmöchte.
Eigentlich musste ich an diesem Tag nur zweimal umsteigen. Nicht viel, hätte man meinen können. Und doch war es jedes mal ein echter Aufwand. Ungewohnterweise musste ich nicht früh los. Mein erster Bus in Landrellec fuhr erst um 11 Uhr. Ein Luxus, denn das hieß: trockenes Zelt, zweiter Kaffee, beinahe ein bisschen Langeweile. Viel zu früh stand ich an der Haltestelle. Mit Mozart im Ohr, Don Giovanni, ist so etwas alles egal.
Sehr pünktlich wurde ich dann aufgesammelt. Mit Ungläubigen Blick nahm mich der Busfahrer wahr. Es muss auch wirklich komisch sein, mitten in einer einsamen Landschaft jemanden an Bord nehmen zu müssen. Ein Gestrandeter.
Der Bus fuhr nun durch alle Dörfer. Eigentlich fuhr er nicht. Er kroch. Und ich wurde nervös. Denn nur eine halbe Stunde hatte ich in Lannion Aufenthalt, um den Anschluss zu bekommen. Ich hatte keine Ahnung, ob die kleinen Staus im Fahrplan einkalkuliert waren. Ich hoffte es. Schon zählte ich die Minuten, die ich vielleicht verlieren könnte. 20. Höchstens. Dann wäre es zu schaffen.
Was hinzukam, war die Tatsache, dass ich am Gare Routière in Lannion ankommen, aber nicht von dort in Richtung St. Brieuc abfahren würde, sondern von irgendeinem Parkplatz aus, den ich natürlich vorher ausgespäht hatte. Schon bei meinem Aufenthalt hier vor ein paar Tagen. Denn ich mag keine Überraschungen dieser Art. Die kommen auch so oft genug.
Ich saß im Bus wie auf Kohlen. In 7 Minuten sollten wir ankommen. Dabei hatten wir gerade die Küste verlassen.
Das ging doch nicht.
Das ging doch.

Landrellec 

Zwei Minuten Verspätung hatten wir. In aller Ruhe ging ich vom Gare Routière erst zum Bäcker, um ein Sandwich zu kaufen. Dann zu besagtem Parkplatz, auf dem schon ein paar Dutzend Schüler warteten. Zum Glück fuhren die und ihre iPhones, aus denen wie im Wettkampf fürchterlich laute Musik schalte, in einem separaten Bus in die Walachei.
Auch mein Bus kam kurz darauf. Zwei Stunden ging die Fahrt und irgendwann hatte ich dann diesen Migräneanfall, den ich kaum bemerkte. Schon wieder. Ich bekomme einfach die immer gleichen Zeichen nicht mit. Vielleicht auch, weil sie anfangs so leicht sind. Etwas empfindliche Augen, leichte Übelkeit, sanfter Druck im vorderen Kopfbereich, der eigentlich kein echter Schmerz ist. Doch die Erschöpfung, die eine gute Stunde später einsetzt, die bemerkte ich natürlich. Erst jetzt verstand ich, was geschehen war. Nicht dass ich in solchen Situationen etwas ändern kann. Zu Hause würde ich mich zwei Stunden hinlegen. Aber hier? Es half nichts. Weitermachen.
In St. Brieuc kamen wir um kurz nach 14 Uhr an. Mein nächster Bus ging erst um 17:30 Uhr. Dreieinhalb Stunden Wartezeit.
Um meine Müdigkeit zu bekämpfen, setzte ich mich in ein Café, wahrscheinlich das Einzige in St. Brieuc ohne Wifi. Zum Lesen waren meine Augen zu schwer. Also entschied ich, einkaufen zu gehen, um das nicht mehr in Erquy erledigen zu müssen. So verging die erste Stunde. Dann setzte ich mich am Gare in den Warteraum und schrieb. Es war schwierig, weil offensichtlich auch mein Sprachzentrum betroffen ist, wenn ich einen Migräneanfall habe. Ich machte das Beste daraus. Es half ja nichts. Auf diese Weise verging wieder Zeit, auch wenn ich für meinen Eintrag länger brauchte. Aber beeilen musste ich mich wirklich nicht.
Die letzte Stunde wartete ich draußen an der Bushaltestelle, stehend, um zu verhindern, dass ich einschlief. Ich muss allerdings sagen, dass die Nachwirkungen des Anfalls bereits nachließen. Vielleicht hatte auch der Kaffee geholfen.
Als es an der Zeit war abzufahren, standen mindestens vier Busse bereit. Nur einer davon der Richtige. Logisch. Auch die Franzosen waren verwirrt. Viele Diskussionen, verstautes Gepäck, das wieder ausgebuddelt wurde, weil man sich doch im falschen Bus befand, allgemein helle Aufregung. Da war ich schon erheblich gelassener. Und ich hatte Glück, weil ich gleich zuallererst den richtigen Bus erwischt hatte. Zwei kurze Fragen an den Fahrer, es war alles in Ordnung. Gegen 18:30 Uhr stand ich Erquy. Den Weg zum Campingplatz hatte ich bereits vor Tagen recherchiert. 10 Minuten zu Fuß, dann war ich da. Ich muss nicht betonen, dass ich nicht mehr viel unternahm. Ein Glas Wein (oder zwei denn ich war soweit wiederhergestellt), Pasta, Auberginenpesto, Baguette, was braucht man mehr? Nichts. Jetzt war alles gut. Und der anstrengende Reisetag beendet.

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