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Der letzte Tag der Reise begann. Zumindest der letzte Tag, über den ich hier berichten werde, denn ich besuche vor meinem Abflug am 26. noch eine alte Freundin in Nantes. Darüber werde ich nicht schreiben.
Aber auch dieser Tag war bereits nur die Vorbereitung auf das endgültige Ende. Denn ich musste um eine bestimmte Uhrzeit abends in La Chapelle-Aulnay sein. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, in Nantes noch das Musée des Beaux-Arts anzusehen. Aber daraus wurde nichts. Ich wollte morgens nicht allzu früh abfahren. Auch wenn die Nacht wegen der defekten Matratze alles andere als erholsam und somit lang war. Es wurde der gemütlichste Morgen meine Reise. In aller Ruhe frühstückte ich und las. Die Klimt-Biografie habe ich wirklich geschafft, jetzt ist eine über Emilie Flöge an der Reihe. Das Zelt, wieder einmal triefend vom Tau, trocknete langsam vor sich hin. Jetzt gegen 11 Uhr begann ich damit, es einzupacken. Gegen Mittag erreichte ich den Bahnhof in Rennes. Der nächste Zug fuhr erst um 14 Uhr. Es war wirklich ärgerlich, denn diese Zeit würde von meinem Museumsbesuch abgehen. Es half nichts. Besonders die fast zwei Stunden zogen sich in die Länge. Das Umsteigen in Redon funktionierte noch. Diese Stadt hatte ich vor genau fünf Wochen passiert. Es war ein merkwürdiges Gefühl, den Kreis fast geschlossen zu haben. Aber Merkur, der Gott der Reisenden und Diebe, wollte heute nicht so, wie ich wollte. Denn es gab ein Problem auf der Strecke, ich glaube Fußgänger. So standen wir einige Kilometer von Nantes entfernt. Als wir letztlich ankamen und ich mich orientiert hatte, was mir an diesem Tag aus irgendeinem Grund schwerfiel, war es bereits nach 16 Uhr. Zu spät für das Museum. Also trank ich einen Kaffee und schrieb, dann war es auch schon an der Zeit, weiterzufahren. Ich habe so viel erlebt, so viel gesehen, dass mich dieses Missgeschick am Ende kaum weiter berührte. Auch habe ich den Eindruck, dass meine Abreise genau zum richtigen Zeitpunkt kommt. Nicht nur ist mein Stift fast alle, sondern mein Gemüt hat die richtige Balance erreicht: nicht mehr hungrig, aber auch nicht völlig satt, also den körperlichen und geistigen Zustand, der allgemein der gesündeste ist.
Ich schreibe diese Zeilen, während wir fliegen, also bereits aus der Vogelperspektive. Und ich muss sagen, dass ich glücklich bin. Glücklich über alles, nicht nur über die Reise, sondern mein ganzes Leben, das Abenteuer und Erfüllung zugleich ist. Ich habe gelernt, dass sich Mühen, die man für sich selber in Kauf nimmt, auszahlen. 30 Jahre habe ich versucht, französisch zu lernen, jetzt ist es mir gelungen, einigermaßen zumindest. Es ist nicht perfekt, aber es fühlt sich bereits vertraut an. Ein gewaltiger Schritt und eine ungemeine Satisfaktion. Die letzten zwei Jahre habe ich intensiv gearbeitet. Jetzt konnte ich ernten. Letztes Jahr in den Pyrenäen war ich noch nicht soweit. Ich hoffe, dass ich das selbe eines Tages mal über meinen Beruf und meine Leidenschaft, die Schriftstellerei, sagen kann. Vielleicht legt sich eines Tages, wie im französischen, der Hebel um. Ich möchte daran glauben. Und insgeheim, irgendwo ganz tief in mir, ahne ich es zumindest.
Diesen Tag erwarte ich in aller Demut.

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