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Voll vernünftig

Das ganze Wochenende waren wir zu Hause.
Ich muss zugeben, dass es nicht immer ganz leicht war. Die Sonne schien ziemlich intensiv, so dass wir wenigstens auf dem Balkon sitzen konnten. Ist nicht zu unterschätzen, dieses kleine Glück, das in diesen Zeiten eine ziemlich große Bedeutung hat.
Gestern Abend nun ist das verkündet worden, was wir seit einiger Zeit erwartet hatten. Wir haben eine Ausgangsbeschränkung, auch wenn die Politiker es nicht so nennen. Im Angesicht der Krise macht es Sinn, sich einzuschränken.
Manche haben die Befürchtung, dass nach der Krise die Maßnahmen nicht mehr vollkommen zurückgedreht werden. Ich persönlich glaube das nicht. Wir haben im Gegensatz zu anderen Mächten dieser Welt verlässliche Politiker, die sich an Wissenschaftlern und Fakten orientieren. Sicher, man kann immer mal nicht ganz einverstanden sein, aber wir haben seit heute auch Grund für Optimismus. Die Kurve der Corona-Infizierten flacht ab. Am Mittwoch wissen wir, ob dieser Trend anhält. Es wären die ersten guten Nachrichten seit einiger Zeit.
Heute habe ich es übrigens nicht mehr ausgehalten und bin zum Tempelhofer Feld gefahren. Laut der angeordneten Maßnahmen darf man in seiner Umgebung sportlichen Aktivitäten nachgehen, wenn man sie alleine ausübt. Natürlich halte ich mich daran. Es wäre zum Beispiel demnach verboten, sich auf eine Wiese zu setzen. Darüberradeln darf man. Ich halte das sogar wirklich für sinnvoll, denn die Ansteckungsgefahr auf dem Rad ist gleich Null. Anfangs trug ich pflichtbewusst meine Atemschutzmaske, aber nach ein paar Hundert Metern wurde es darunter einfach zu warm. Nicht so schlimm, ich habe darauf geachtet, Leuten nicht nahe zu kommen. Geht ja auf einem Rad auch nicht so leicht.
Das Feld war dabei auch ausgesprochen leer. Normalerweise ist es bei so einem Wetter immer knackend voll. Auch wenn wir nur Temperaturen von ca. 5 Grad Celsius im Schatten hatten, war es in der Sonne unvergleichlich wärmer. Zwar blies der Wind am Anfang heftig, aber mit zunehmender Dauer wurde es sehr angenehm.
Verstohlen sah ich mich nach dem Expresso-Bike um, das ich sonst so gerne nutze. Natürlich war es nicht da und wenn, dann hätte ich nichts bestellt. Aber ein bisschen Normalität wäre schön gewesen. Sei es drum, aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Ich empfand allerdings ein bisschen Stolz. Zwar waren Leute unterwegs, aber alle schienen sich an die Vorgaben zu halten. Keine Menschengruppen, manche gingen zu zweit spazieren, die meisten aber waren wie ich alleine unterwegs.
Das macht mir Hoffnung, denn das Problembewusstsein scheint nun entwickelt zu sein. Keine Corona-Parties mehr, keine Ansammlungen, weil man das alles für übertrieben hält. Es fühlt sich gut an. Ich weiß, dass es für Jubelarien zu früh ist. Aber etwas vorsichtiger Optimismus scheint angebracht. Mal sehen, wie sich das entwickelt.
Wer meine Fahrt anschauen möchte, ich habe sie hier dokumentiert:

In anderen Ländern scheint die Nachricht noch nicht angekommen zu sein. Hat mit dem heutigen Eintrag nicht viel zu tun, aber diese herzzerreißende Nachricht hat mich ziemlich bewegt. Eine Krankenschwester in England wollte nach einer 48-Stunden-Schicht einkaufen. Sie stand vor leeren Regalen und hatte folgende Nachricht an die asozialen Hamsterer:

Ich fand es schwer zu ertragen. Aber so etwas muss gezeigt werden. Ehefrau Nina und ich haben entschieden, wirklich nur noch das zu kaufen, was wir auch brauchen. Unsere Vorräte sind aufgefüllt, ca. zwei Wochen kommen wir aus. Mehr braucht es wirklich nicht.

Dann fand ich diese Nachricht aus Nordirland. Eine starke Message von Leuten, die es wissen müssen und die die Auswirkungen der Erkrankungen an vorderster Linie zu spüren bekommen:

Gestern waren Bilder aus Italien zu sehen. LKWs fuhren Leichen zu Krematorien, die mit den Toten nicht mehr zurechtkommen. Es ist unvorstellbar. Das wollen wir hier nicht.

Also auch von mir die Aussage: Leute, bleibt zu Hause. Und wenn Ihr rausgeht, schaltet den Kopf ein. 
Das rettet Leben.

Hier ein Link zum Coronavirus-Update mit Dr. Drosten.

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