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Barcelona – Montjuic Park

Es ist nicht nur der Start in einen neuen Monat, Juni, um genauer zu sein, an deren Ende ich mein 40. Erdenjahr beschließen werde, es ist auch ein Tag der guten Nachrichten. Ninas Chef hat ihr heute mitgeteilt, dass es gar nicht in Frage kommt, dass sie ihren Urlaub verschiebt. Damit werde ich am 12.6. in Nizza sein, um mit ihr gemeinsam unseren dreiwöchigen Urlaub zu verbringen. Es war eine wundervolle Neuigkeit, die der Ungewissheit um ihren Besuch endlich ein Ende bereitete. Dass es jetzt auch noch perfekt in die Route passt, ist ein merkwürdiger Zufall, aber an so etwas glaube ich nicht. Also werde ich in Spanien noch einige Tage verbringen, ehe ich noch Städte in Südfrankreich sehen werde, die ich mit Nina nicht schaffen werde. Dann haben wir den Rücken frei und können Urlaub machen. Das Journal werde ich in jedem Fall weiter schreiben, ob ich die gotische Novelle in dieser Zeit fortführe, steht auf einem anderen Blatt.
Heute ist aber auch ein trauriger Tag, denn zum zweiten Mal innerhalb dieses noch jungen Jahres werde ich von Barcelona Abschied nehmen. Im Grunde bin ich jetzt schon mitten dabei.
Heute Morgen habe ich bereits für die nächsten Tage Pläne gemacht. Vor meiner Abfahrt aus Spanien werde ich noch Girona sehen und das Dali-Museum in Figueres. Also mit halbem Herzen hatte ich diese wundervolle Stadt schon verlassen, war mit den Gedanken bereits weiter, ehe ich mich zurückriss, um den letzten Tag zu genießen.

Ich startete diesmal nicht am Placa Catalunya, sondern am Placa Espana, um mir den Montjuic Park näher anzusehen. Auch hier findet eine wichtige Szene aus dem Buch statt, aber dazu später. Ich begann, in dem ich die Treppen zu dem Museu Nacional D’art de Catalunya, kurz Mnac, hinauf stieg. Lange hatte ich mit mir gekämpft. ob ich diesen letzten Tag hier verbringen sollte, zwischen erstaunlichen und berühmten Kunstwerken, denn das Museum hat in der Welt einen fabelhaften Ruf. Der Tag wäre mit Sicherheit danach vorbei gewesen und diese Tatsache führte dazu, dass ich mich anders entschied. Der Park selbst war das Ziel. Beim ersten Besuch hatten Nina und ich den Olympischen Teil zumindest in Andeutungen erkundet, heute lief ich in die andere Richtung, vorbei an vielen Parks, immer weiter nach oben. Ich kam auch an einer Seilbahn vorbei, die laut Karte vielleicht 100 Meter lang war und zum Gipfel hinauf führte. So etwas halte ich für Verschwendung. Überhaupt gibt es nur eine einzige Seilbahn, die sich zu nehmen lohnt, diejenige zur Zugspitze. Alle anderen Gipfel sind durchaus in meinem Alter gut erklimmbar, und selbst die Zugspitze traue ich mir zu. (Anmerkung 18 Monate später: Hm) Also lief ich nach oben, während über mir die Gondeln bedrohlich knarrten. Mein Ziel war das Castell de Montjuic, das herrliche Aussichten versprach. Und es hielt sein Versprechen. Hoch oben über der Stadt thront es und ich konnte sehr gut den Park Güell erkennen, der sich auf der anderen Seite von Barcelona erhebt. Ich konnte ihn aufgrund der „Villa Corelli“ identifizieren, von der ich natürlich nicht weiß, ob sie es auch ist. Besonders beeindruckend war die Aussicht auf den Industriehafen, von dem ich noch gar nicht realisiert hatte, dass er überhaupt existiert. Ich fragte mich, ob auch hier die gleichen Abgründe zu finden sind wie im Hafen von Neapel, von Roberto Saviagno in Gomorra so eindrucksvoll beschrieben. Von oben jedenfalls sah alles sehr friedlich aus, ein Vorteil, den ein Blick aus großer Höhe immer bietet. Etwas verzehrt, doch wenn man Konflikte scheut….

Ich hielt mich hier sehr lange auf, genoss den Blick auf die Stadt in vollen Zügen. Es war eines Abschieds würdig, noch mal alles vor sich liegen zu haben, ohne wirklich eindringen zu können. Denn abseits der vielen Kunstschätze, die Barcelona zu bieten hat und die beim wirklichen Erleben eher ablenken, ist es besonders hier der Geist, den man suchen muss. Den findet man nicht in den Museen, zumindest nicht in den meisten. Vielleicht im Gaudi-Museum, sicher ein wenig im Park Güell, im Barri Gotic auch, wenn man achtgibt. Wenn ich darüber nachdenke, weiß ich gar nicht, ob ich ihn überhaupt je wirklich zu Gesicht bekommen habe. Vielleicht hat sich hier und da ein Zipfel des Vorhangs gelüftet, so dass ich erahnen konnte, was wirklich hinter dieser Stadt steckt. Doch wenn ich ehrlich bin, dann gibt dieser mysteriöse Ort seine Geheimnisse nicht so schnell preis. Das kann ich verstehen, damit wird sie umso interessanter. Es ist vielleicht der erste Ort meiner Reise, bei dem ich mir vorstellen könnte, länger, viel länger zu bleiben. Aber das ist Zukunftsmusik und wird sich zeigen.
Ich stieg danach ab und kam irgendwann an die Seilbahn, die Montjuic mit Barcelonetta verbindet. Hier findet eine Schlüsselszene am Ende von Zafons Buch statt. Im Park kommt es zu einer Verfolgungsjagd, bevor beide die Seilbahn erreichen. Martin überwindet den heimtückischen Inspektor und schickt ihn in den Tod. Genauer gesagt, er wirft ihn aus der Gondel, ein passender Abgang für diesen Charakter.

Damit bin ich ans Ende meiner Barcelona-Reise gekommen, auch meine Suche nach den Orten im Buch habe ich, wenn nicht abgeschlossen, so doch abgeschlossen. Nur wen es interessiert, „Schatten des Windes“ ist eigentlich besser, natürlich lohnt sich auch „Stadt der Engel“ wie man gesehen hat. Die Eindrücke aus dem letzten Buch waren eben wesentlich frischer.(Anmerkung 18 Monate später: Es gibt inzwischen einen Barcelona-Führer, der den Besucher an die Orte der Romane führt.)

Der Tag ist natürlich noch nicht vorbei, wieder werde ich das tun, was ich hier die ganze Zeit über tun könnte: die Rambla entlang laufen, die Altstadt durchkämmen, in Cafés ausruhen, vielleicht noch etwas schreiben. Kurz, den Tag und die Stadt genießen, um so gebührend, mit einem Schmunzeln auf den Lippen, zu gehen. Es wird nicht mein letzter Besuch hier sein, dazu bindet mich der Ort viel zu sehr. Doch für dieses Jahr heißt es weiter ziehen.

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