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Es ist endgültig vorbei.

Der zweite Motorschaden wird der Transe den Rest geben. Gestern, kurz hinter Arles, nachdem ich Nina gegen Mittag nach Nizza gebracht habe, begann es plötzlich zu qualmen. Es war schlimm, denn die Erinnerungen vom Januar vor zwei einhalb Jahren kamen wieder hoch. Es war nicht ganz so, denn dieses Mal verschwand das Kühlwasser nicht. Dennoch wusste ich, dass es sich um einen Motorschaden handelte. Ich rief beim ADAC Frankreich an, der leider bei Weitem nicht so hilfreich war wie die italienischen Kollegen. Alles war schleppend und auf die Frage, ob sie denn ein Hotel organisieren könnten, waren sie ganz erstaunt, beinahe schon wütend. Was sollte ich aber machen? Es war beinahe schon 20 Uhr, das Auto und ich standen irgendwo in der Wallachei in einem Autodepot für Wracks, wo die Transe auch definitiv hingehört. Ich aber nicht. Am Ende, eine halbe Stunde später, beschloss ich, einfach in Richtung Arles aufzubrechen. Ich musste laufen. In mir tobte es, ich suchte Schuldige in meinem Kopf, jammerte über das Unglück, das mir widerfahren war. So etwas. Im ernst, ich war recht verzweifelt. Dabei ging es nicht um das Hotel oder die manchmal etwas unfreundlichen und langsamen Callcentre-Mitarbeiter. Nein. Es war das Wissen um das Ende eines Lebensstiles. Es sollte sowieso die letzte Reise mit dem Wohnmobil sein, aber ein Ende hatte ich mir anders vorgestellt, mit Pomp und einer letzten grandiosen Tour, so wie diese hier, vom Süden Frankreichs in den äußersten Norden, die Bretagne. So also endet meine, wie ich finde, grandiose Zeit, in der ich auf diese Weise gereist bin. Sie hätte schon vor zwei einhalb Jahren enden sollen, und vielleicht war es auch so. Im Grunde bin ich seit meiner Rückkehr von meiner fast elfmonatigen Europareise nicht mehr viel gefahren. Einige Reisen waren dabei, aber vom Reisen als Lebenseinstellung war ich weit entfernt. Es ging immer mal wieder in Richtung eher näherer Länder, manchmal auch für ein paar Wochen, aber nie mehr über Monate hinweg.

Natürlich bin ich trotzdem enttäuscht. Beinahe schrullig hänge ich an der alten Schüssel, die so alt und dreckig ist, dass sie gar nicht mehr zugelassen sein dürfte. Wenn ich die Fußmatte rechts entferne, sehe ich wahrscheinlich durch den Rost auf die Straße, deshalb lasse ich sie da, wo sie ist. Es ist höchste Zeit, dass ich das Fahrzeug abstoße. Wahrscheinlich hätte ich es schon letztes Jahr tun sollen, denn mehrere Reparaturen nach dem Winter haben die Kosten wieder einmal ziemlich in die Höhe schnellen lassen. Offensichtlich habe ich die Zeichen nicht erkannt.

Jetzt ist es auch amtlich. Der Meister der Werkstatt hat den Motorschaden bestätigt. Seit einiger Zeit schon laufe ich in Arles umher, einem Ort, den ich zwar mag, dem ich heute, an einem Tag des Umbruchs, nichts abgewinnen kann. Die alten Ruinen aus römischer Zeit wirken nicht auf mich, der ich meinen schrulligen Gedanken nachhänge. Die Sonne, die heute eher spärlich scheint, spüre ich kaum auf der Haut. Ich versuche mir einzureden, dass Verlust zum Leben gehört, dass Autos einfach nicht ewig halten und dass ich froh sein kann, dass meines mich so lange transportiert hat und mein Zuhause war. Aber so wirklich loslassen konnte ich bislang nicht. Mir fehlt auch meine Zeit allein auf Reisen. Noch gestern um die Zeit war ich in Cannes, habe verzweifelt versucht, meinen Weg durch Stadt und Berge zu finden. Jetzt ist das alles Geschichte. Ich mag es noch nicht recht glauben. Auch habe ich keinen Nerv dazu, meine Reisebeschreibung für Antibes hinzuzufügen. Wahrscheinlich wird diese Reise niemals irgendwo veröffentlicht, schon jetzt neige ich dazu, sie eher zu vergessen. Dabei tut mir gerade das weh. Ziemlich stark sogar. Denn wir hatten bis jetzt eine tolle Fahrt, nicht das beste Wetter zwar, aber dennoch viele Erlebnisse. Die hätte ich jetzt auch gerne allein gehabt. Es wurmt stark.
Auch befürchte ich, dass der ADAC das Auto dieses Mal nicht nach Berlin bringen möchte. Natürlich ist es Schrott. Aber die Ausrüstung, die ist es nicht. Fahrräder, Campingzeug, Bücher, alles das ist noch drin. Naja, ich werde mich morgen erkundigen. Bis dahin versuche ich, bei guter Laune zu bleiben. Oder diese zumindest bald wiederzukriegen.

 

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