Voll Wochenende? Schrecklich.

Und es ist wieder einmal Freitag.
Früher mochte ich es, langsam ins Wochenende driften zu können. Zwei Tage, an denen ich etwas anderes machen konnte. Den Schreibtisch verlassen, bummeln gehen, laufen, Cafés besuchen, ein Museum besichtigen. Edle Zeit, die wir für uns hatten.
Das hat sich irgendwie verändert.
Denn vor Wochenenden fürchte ich mich beinahe schon.

Besonders in der kalten Jahreszeit war es immer schön, nach einem Spaziergang irgendwo einen Kaffee trinken zu können. Oder auch mal durch die Konsumtempel schlendern. Ach, irgendetwas, um einmal seine Sinne auf anderes konzentrieren zu können. Es musste ja nichts Außergewöhnliches sein.
Das ist dieses Jahr nicht möglich. Und es beginnt langsam, mich zu erschöpfen.
Früher war ich nach einem entspannten, doch interessanten Wochenende bereit für die neue Woche. Und es ist diese Frische, die mir im Augenblick fehlt. Noch nie habe ich das so sehr empfunden wie in diesen Tagen.

Was mir fehlt?
Die Inspiration, die ich mitnehmen kann, aus der ich Kreativität schöpfe und die mich im Arbeitsleben hält. Die scheint vollkommen verschwunden. Tage gehen dahin, an denen mir die Energie für fast alles fehlt. Habe ich den Sommer noch genutzt, mit viel Elan und interessanten Projekten, fehlen die mir gerade vollkommen. Ich kann mich kaum aufraffen, um einen winzigen Unterschrank für das Bad zu bauen. Eine Arbeit, die mich im Sommer kaum einige Stunden gekostet hätte.
Es ist eigenartig.
Und verstörend.
Eines aber weiß ich: Ich muss mich aus dieser Lethargie herausziehen.

Zu diesem Zweck habe ich diese Woche damit begonnen, an meinem nächsten Roman zu arbeiten. Anstatt aber, wie sonst, einfach loszuschreiben, habe ich mir Gedanken gemacht und diese zu Papier gebracht. Da meine Fantasie ein bisschen mit mir durchgegangen ist, muss ich dann nächste Woche wieder Einiges streichen.
Aber immerhin steht die Idee, die ich im Grunde nur noch anfüllen und zu einer Geschichte formen kann.

Natürlich wird es mal wieder kein schönes Buch. Zu wichtig sind die Ereignisse, zu abgrundtief schlecht die Charaktere, die derzeit die Medien befüllen. Wenn ich mir so etwas vor einigen Jahren ausgedacht hätte, wäre kein Mensch imstande gewesen, es zu lesen. „Zu unrealistisch“. Klingt heute beinahe komisch. Unrealistisch schien so vieles. Bis es dann zur Realität wurde.
Heute nun ist kaum noch jemand schockiert. Oder überrascht.
Egal.
Ich mache mich an die Arbeit und werde sehen, wo die mich hinführt. Hoffentlich noch nicht in den inzwischen wohlverdienten Wahnsinn, auch wenn mich das nicht mehr wundern würde. Grenzen sind fließend. Ich muss mich eben einlassen auf diese Charaktere. Und das Schlimme ist, dass ich immer einen Teil von ihnen in mir selbst wiederfinde. Ekelhaft. Und faszinierend.
Aber das ist eine Erkenntnis, die wohl jeder Schriftsteller kennt. Bis jetzt kann ich alles noch gut auseinanderhalten.
Wir werden sehen, wie das in einem halben Jahr aussieht, wenn der Roman fertig sein wird.
Also, bis dahin, ein schönes Wochenende. Macht was daraus.
Auch wenn es nicht so viel ist.